News Archiv Beiträge 

100 Jahre Frauenwahlrecht

Es war ein langer schwerer Weg vieler Frauen, um die für uns so selbstverständlichen Rechte zu erkämpfen. Sind sie wirklich unumkehrbar, wenn wir sie nicht verteidigen?

Finger weg von unseren mühsam erkämpften Frauenrechten!

Dass Frauen nicht mehr unter der Vormundschaft von Männern stehen – dass sie für eigene Rechte eintreten (können) und in vielerlei Hinsicht ein Wahlrecht haben, wurde uns nicht geschenkt. Wenn man bedenkt, mit welchem Widerstand Johanna Dohnal (1979 als Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen eingesetzt und im Dezember 1990 zur Bundesministerin für Frauenangelegenheiten ernannt) noch zu kämpfen hatte, wird einem erst so richtig bewusst: Es sind erst wenige Jahre, in denen Frauenrechte in Österreich als Selbstverständlichkeit gelten.

Signalwirkung

Wie gut diese elementaren Rechte aber tatsächlich verankert sind, ist zumindest in letzter Zeit stark zu hinterfragen. Wenn eine Partei vom „Brutpflegetrieb“ und von „naturgegebenen Rollenbildern“ redet, wenn nach einer Regierungsbildung das Frauenministerium als „Kanzleramtsministerium für Frauen, Familie und Jugend“ geführt wird, sollten wir zwei Mal hinsehen, was damit bezweckt wird.

Erinnern Sie sich noch an die Jahre 2000 bis 2003, in denen eine ähnliche Regierung am Werk war? Und das Frauenministerium zum „Bundesministerium für Generationen“ wurde? Frauen und (Brut)pflege bedingen einander scheinbar in dieser Denkwelt. Vorwärts – zurück in die Vergangenheit ist offenbar das Motto.

Gleichberechtigung fällt nicht vom Himmel

Politiker egal welcher Gruppierung haben Vorbildcharakter und sind Meinungsbildner. Wenn einige von ihnen öffentlich von Brutpflege reden, gilt es, hellhörig zu werden. Ganz besonders dann, wenn uns deren politische Gruppierung gleich auch noch ausrichten lässt, was wir Frauen uns wirklich wünschen.

Wenn die Menschenrechtssprecherin der ÖVP sich öffentlich gegen Abtreibung und Homosexualität ausspricht, dann dürfen wir nicht länger weghören – wir müssen gemeinsam aufzeigen, dass wir uns die mühsam erkämpften Rechte nicht wegnehmen lassen. Denn spätestens jetzt ist klar, dass (leider) nichts selbstverständlich ist.

regina.mueller(at)wien.gv.at