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12-Stunden-Tag – oder: Zurück an den Herd!

Seit 1. September gilt: Arbeitszeit bis zu 12 Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden in der Woche, keine Überstundenzuschläge in der Gleitzeit und bis zu 4 Arbeitswochenenden.

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Arbeitszeit wird prinzipiell von Arbeitgebern festgelegt – sie verfügen über den Einsatz der Arbeitskraft. Dazu braucht es klare Spielregeln und dazu gibt es Interessenvertretungen, die dafür sorgen, dass sich Machtverhältnisse nicht allzu sehr zu Ungunsten der Beschäftigten verschieben. Oder wie MMag.aDr. Gabriele Michalitsch vom Institut für Politwissenschaft der Universität Wien sagt: im „Kapitalverhältnis gibt es keine Freiwilligkeit“, auch wenn diese im Zusammenhang mit dem 12-Stunden-Tag von der Bundesregierung noch so oft gepredigt wird. 

 

Im Wiener Magistrat gibt es eine Reihe von Bereichen, in denen der 12-Stunden-Tag gelebte Praxis ist. Allerdings zu sozialpartnerschaftlich vereinbarten Regeln, denn Menschen sind kein Spielzeug! Ein genereller 12-Stunden-Tag dient allein der Gewinnmaximierung. Auf der Strecke bleiben all jene, die es sich nicht richten können. 

 

Wer ist betroffen? 

Jene, die bereits jetzt schon Schwierigkeiten haben, die Anforderungen von Beruf, Familie, ehrenamtlichen Tätigkeiten und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Denn gut Verdienende können es sich richten. Gabriele Michalitsch prophezeit: Es wird künftig mehr schlecht bezahlte Haushaltshilfen geben. Aber was heißt das für Familien mit weniger Einkommen? Mittelfristig bedeutet die Entscheidung der Bundesregierung, dass Frauen vom Arbeitsmarkt vertrieben werden, da im Regelfall der Mann noch immer mehr verdient als die Frau. 

 

Alleinerziehende trifft es am härtesten

Für AlleinerzieherInnen wird es doppelt schwierig. Die Betonung liegt hier auf dem großen I, denn auch Männer sind betroffen. "Alleinerziehende müssen durch den 12-Stunden-Tag mit vermehrten Ablehnungen bei Bewerbungen rechnen", warnt Evelyn Martin, stv. Vorsitzende der ÖPA (Österreichischen Plattform für Alleinerziehende). Weder in der Stadt geschweige denn auf dem Land gibt es Kinderbetreuungseinrichtungen mit entsprechenden Öffnungszeiten! 

 

Damit werden Frauen wieder vermehrt in die wirtschaftliche Abhängigkeit der Kindesväter gezwungen – AlleinerzieherInnen weiter in die Armut gedrängt. 

 

Der 12-Stunden-Tag schafft wieder klare Herrschaftsverhältnisse.

 

„Staatliche Leistungen zu kürzen führt zwangsläufig zu einer Klassenspaltung.“