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Altersgerechte Arbeitszeit für alle

Die Lebenserwartung steigt, aber auch die Arbeitsjahre bis zum Pensionsantritt werden mehr. Eine Reduzierung der Arbeitszeit in den letzten Jahren vor dem Ruhestand erhöht die Chancen, diesen gesünder verbringen zu können. Selbst für die Dienstgeberin bringt das Modell nur Vorteile – höchste Zeit, es auch für Bedienstete einzuführen.

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Karl S., 60 Jahre, langjähriger Mitarbeiter in einem großen Medienhaus, hat mit seinem Dienstgeber eine Vereinbarung für die nächsten fünf Jahre abgeschlossen, um die Arbeitszeit zu reduzieren. Er wird künftig sein über die Jahre erworbenes Wissen in der Firma an Jüngere weitergeben und sich gleichzeitig vermehrt seinen privaten Verpflichtungen, seinen Interessen und Freunden widmen können.

Gertrude W., ebenfalls 60 Jahre alt, Mitarbeiterin bei der Stadt Wien seit mehr als 40 Jahren, hat diese Möglichkeit nicht. Im Gegenteil - der Arbeitsaufwand in ihrer Abteilung steigt ständig und sie muss auch noch Mehrleistungen erbringen. Sie hat betagte Eltern, die sie unterstützen möchte, aber auch muss. Damit bleibt ihr von ihrer Freizeit nicht mehr viel über.

Eine Altersteilzeitregelung für die Stadt Wien

Der Altersdurchschnitt in der Stadtverwaltung liegt bei über 45 Jahren, in den nächsten Jahren kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins Pensionsalter. Das sind jene Jahrgänge, die aufgrund der Verlängerung der Lebensarbeitszeit bereits einige Jahre länger ihren Dienst zu versehen haben werden. Und Jahr für Jahr nehmen Druck und Geschwindigkeit am Arbeitsplatz zu.

Bei vielen KollegInnen machen sich spätestens mit 50+ zunehmend gesundheitliche Probleme bemerkbar. Regenerationszeiten dauern länger, und der permanente Zeitdruck, durch zum Beispiel die Einführung neuer EDV-Programme oder steigende KundInnenanforderungen, nimmt zu. Die rasant zunehmende Geschwindigkeit von Arbeitsabläufen und Prozessen macht der Babyboomergeneration mehr und mehr zu schaffen. Bei den Pensionsberatungsgesprächen in der Hauptgruppe 1 hören wir immer wieder, dass unsere KollegInnen noch gerne arbeiten würden - aber nicht unter diesem Druck und mit diesen Arbeitszeiten!

DienstnehmerInnen & Dienstgeberin profitieren

Viele haben einfach auch nur den Wunsch, mehr Zeit mit ihren Enkerln zu verbringen. Oder sie wollen ihre Kinder entlasten, die noch mitten im stressigen Berufsleben stehen. Haben wir Ältere uns nicht auch immer gefreut, wenn unsere Eltern da waren, wenn die Kinder krank geworden sind oder Ferien hatten?

Das Gleitmodell der Altersteilzeit hat nicht nur den Vorteil, dass es sich positiv auf die Gesundheit und Work-Life-Balance der KollegInnen auswirkt. Auch die Dienstgeberin profitiert davon. Durch die Verringerung von Krankenständen zum Beispiel, wegen weniger Burn-Out-Erkrankungen, weniger Haltungsschäden durch langes Sitzen oder Folgeschäden aufgrund schwerer körperlicher Arbeit, da die Belastung sinkt. Außerdem wird durch die gezielte Reduzierung der Arbeitszeit vor dem Pensionsantritt das effektive Pensionsantrittsalter steigen.

Zusatznutzen: Wissensmanagement

Der langsame Ausstieg aus dem Berufsleben ermöglicht auch den effektiven Know-how-Transfer an die nächste Generation, mit einem Tutorensystem zum Beispiel. Ältere ArbeitnehmerInnen schulen NachfolgerInnen nicht mehr wie bisher binnen kürzester Zeit oder gar nicht ein, sondern die gezielte Weitergabe von Wissen an die nachfolgende Generation garantiert, dass wertvolle Erfahrungen nicht verloren gehen.

Das sind nur einige Gründe, die für eine Altersteilzeitregelung im Wiener Magistrat sprechen. Ihre Einführung wäre für alle Beteiligten eine Wwin-win-Situation.

Jedem Alter seine Arbeitszeit

Die in der Privatwirtschaft bereits geltende Altersteilzeitregelung ermöglicht älteren ArbeitnehmerInnen einen gleitenden, früher startenden Übergang in den Ruhestand. Frühestens fünf Jahre vor dem geltenden Regelpensionsalter kann mit der kontinuierlichen Reduzierung der Arbeitszeit begonnen werden. Das bedeutet, dass ArbeitnehmerInnen ihre Arbeitszeit zwischen 40 % und 60 % verringern können, aber weiterhin 70 % bis 80 % des bisherigen Einkommens erhalten.

Außerdem werden die Beiträge zur Kranken-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung vom Arbeitgeber weiterhin in der ursprünglichen Höhe entrichtet. Damit entstehen demjenigen, der sie in Anspruch nimmt, keine Nachteile bezüglich der Pensionshöhe oder des Arbeitslosengelds. Auch auf die Höhe der Abfertigung hat die Altersteilzeit keine Auswirkungen.

Wir fordern daher eine Altersteilzeitregelung - ohne Auswirkung auf die Pensionshöhe - bei der erfahrene KollegInnen ihr Know-how an die nächste Generation weitergeben können. Wir fordern ein Modell, das für BeamtInnen und Vertragsbedienstete gleich und für alle Beteiligten ein Gewinn ist. Mehr als 10.000 KollegInnen könnten in den nächsten Jahren von dieser Regelung profitieren.

guenter.unger(at)wien.gv.at

Unsere Forderungen für alle MitarbeiterInnen der Stadt:

  • Altersteilzeitregelung 
  • besondere, befristete Arbeitsreduktionen
  • einheitliche Regelungen für BeamtInnen und Vertragsbedienstete
  • Rechtsanspruch für die Bediensteten
  • Mitwirkungsrecht der Personalvertretung

 „Damit altersgerechtes Arbeiten mit weniger Druck und mehr Regenerationspausen kein leeres Versprechen bleibt.“