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Beamten-Bashing in der Krone

Norbert Pelzer stellt richtig

In der Kronen Zeitung vom 18.10. war folgender Artikel von Georg Wailand zu lesen:

Beamte: Weg mit Versetzungsschutz

Ja, Österreich hat viele sehr tüchtige Beamte. Die Sache hat nur einen Haken: Es sind viel zu viele. Warum das nicht anders wird? Weil es ungebrochen immer noch im öffentlichen Dienst den sogenannten "Versetzungsschutz" gibt: Wer nicht mehr gebraucht wird, kann nur dann woanders eingesetzt werden, wenn er dem freiwillig zustimmt. Dieser Schutz wirkt selbst dann, wenn man für die betreffende Arbeitskraft wirklich keine Arbeit hat. Allein beim Bundesheer gibt es rund tausend Personen, die "überzählig" sind. Dennoch stehen sie dort ungebrochen weiter auf der Gehaltsliste, da sei der "Versetzungsschutz" vor! Beim Bundesheer schon tausend Leute zu viel, in vielen anderen Bereichen sind es noch viel, viel mehr. Und nichts rührt sich?

 

In harten Fakten ausgedrückt: Von 131.451 Beamten beim Bund können pro Monat im Schnitt nur zehn (!) vom "Mobilitätsmanagement" dorthin versetzt werden, wo man sie brauchen kann. Zehn von 131.451! Aber es kommt noch dicker: Im öffentlichen Dienst in Österreich sind rund 456.000 Personen beschäftigt (Bund, Länder, Gemeinden, ausgelagerte Einheiten der öffentlichen Hand) - von insgesamt rund 3,5 Millionen Arbeitnehmern! Während aber im privaten Bereich versetzt und gekündigt werden kann, besteht diese Möglichkeit im öffentlichen Dienst nicht. Mit dem Versetzungsschutz wollte man Beamte vor willkürlichen politischen Eingriffen schützen, das ist schon in Ordnung - wenn es aber um einen optimierten Arbeitseinsatz geht, hat dieses Argument keinen Platz. Unvorstellbar, wenn sich eine private Firma so lähmen ließe - sie wäre bald pleite. Im öffentlichen Dienst aber kratzt das niemand?

Die Antwort von Norbert Pelzer:

Sehr geehrter Herr Dr. Wailand,

was für den Bund stimmt, ist bei den Gemeinden unrichtig. So kann ein Wiener Beamter (die Vertragsbediensteten sind übrigens in der absoluten Mehrheit!) auf Weisung versetzt werden. Es gibt im Gegensatz zum Bund auch keinen anfechtbaren Versetzungs-Bescheid. Gemeindebedienstete kleinerer Gemeinden sind bei diesen angestellt und müssen ihren Dienstgeber - genau wie in der Privatwirtschaft - wechseln, wenn sie von einer anderen Gemeinde angestellt werden wollen.

Ich stelle mir übrigens gerade vor, wie der missliebige Richter oder Polizist von Bregenz nach Wien versetzt wird, samt seinen drei Kindern etc. und ein Jahr später wieder zurück. Wäre das in Ihrem Sinn?

Vielleicht hilft Beamten-Bashing den Verkaufszahlen, solide Recherche entspräche gutem Journalismus.

MfG

Norbert Pelzer