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Bezirksamt, quo vadis?

Die MitarbeiterInnen haben aufwändige Verwaltungsabläufe nicht erfunden. Aber daran wollen sich die BeamtInnen-BasherInnen nicht so gerne erinnern.

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Was sagen Sie zur gegenwärtigen Diskussion über die Teilung oder Zusammenlegung der Bezirke? Ja, nein, weiß nicht, bin da nicht zu Hause? Umso heftiger war die Reaktion der Medien, um das Thema am Köcheln zu halten. Tabuloses Denken und ein paar Überlegungen weiter in den Kreis der BezirksvorsteherInnen geworfen, und prompt erklang der Chor der Flächenbezirksvorsteher, die von einer Teilung aber so absolut gar nix hielten. Menschlich verständlich, dass sich keiner selbst abschaffen bzw. in seiner Macht beschneiden lassen würde.

In Zeiten des eisernen Sparens ist es erlaubt, über alles nachzudenken. Es darf aber niemals vergessen werden, dass die Stadt jährlich um die Größe von Wiener Neustadt (!) wächst. Mehr Bevölkerung bedeutet logischerweise mehr Arbeit.

Wien mit seinen 23 Bezirken und 18 magistratischen Bezirksämtern wird gerne medial als "Bürokratiehochburg" verschrien. Jetzt kann man überlegen, ob man zu Routinebegehungen wirklich eine Phalanx an BezirksrätInnen, FachdienststellenmitarbeiterInnen und sonstige VertreterInnen der Geschmackskommissionen dabeihaben muss, aber eines ist auch klar: Wien hätte nicht 1A-Standard, der international so begeistert akklamiert wird, wenn da nicht jede Genehmigung von A bis Z durchdacht worden wäre.

Trau keiner nicht selbst gefälschten Statistik

Mal so nebenbei zur Klarstellung: Der Hund, der medial und in der Öffentlichkeit als "Schikane" empfunden wird, liegt eigentlich woanders begraben: EU-Auflagen, Bundesgesetze und vor allem die Gewerbeordnung. Pikant ist aber, dass bei Letzterer just die am lautesten dagegen protestiert, die sie erfunden hat: die Kammer.

Es wird nämlich immer wieder vergessen, dass in Wien z. B. bei Betriebsanlagengenehmigungen rund 97 (!) Prozent der eingereichten Unterlagen unvollständig sind. 75 (!) Prozent sind es trotz der Beratungsleistung durch die eigens dafür abgestellten BeraterInnen der Kammer. Über die Medien wird dann gefordert: Schneller soll's gehen - und bitte nicht zulasten der armen neuen UnternehmerInnen.

Zumeist wird dann auf die "kurzen Verfahren" in Niederösterreich hingewiesen. Eh klar, dort beginnt die Bearbeitungszeit erst, sobald der Akt vollständig eingereicht ist. In Wien gilt sie jedoch schon ab Erstantrag. Tja, frei nach Churchill: Es gilt nur die Statistik, die ich selbst gefälscht habe.

Liebenswerte Wiener Eigenschaft: Meckern

Die MitarbeiterInnen und LeiterInnen dieser "Bezirksbürokratiehochburgen" "magistratische Bezirksämter", das sind smarte, pragmatische und zu Unrecht unterschätzte Kapazunder, die 1,3 Mio. Geschäftsfälle pro Jahr bearbeiten und 4,5 Mio. KundInnenkontakte pflegen. Wenn z. B. wie kürzlich das Parkpickerl in einem Bezirk wie Währing ohne eine einzige Beanstandung eingeführt wird, verliert keiner ein Wort darüber. Auch nicht darüber, dass es extra erweiterte kundenfreundliche Öffnungszeiten für den großen Run aufs Amt gegeben hat. Ist ja selbstverständlich.

Denn es liest sich viel besser, dass endlich Privilegien und bürokratische Hürden abgebaut werden müssen. Auf die Menschen, die mit hohem persönlichem Engagement ausgezeichnete Leistungen für die BürgerInnen dieser Stadt erbringen, wird dabei vollkommen "vergessen". Kein Wunder also, dass sie den Medien entnehmen müssen, worüber in Zeiten des Sparens nachgedacht wird.

manfred.obermueller(at)wien.gv.at