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Die ISO-9001-Show

Das geplante Zertifizieren von Verwaltungsverfahren in den Bezirksämtern ist extrem aufwändig und teuer. Unternehmensberatungsfirmen verdienen sich dabei eine goldene Nase.

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D ie Stadt Wien muss sparen. Alle Bediensteten wurden aufgerufen, nachzudenken, wo und wie die Verwaltung noch effizienter arbeiten könne. Zeitgleich gehen die UnternehmensberaterInnen im Magistrat ein und aus. Es sind Firmen, die Unsummen damit verdienen, Abläufe zu beobachten, sich diese erklären zu lassen und sie dann zu analysieren. All das oft ohne eingehendes Fachwissen! Und natürlich brauchen diese Analysen Zeit. Sehr viel Zeit. Das kostet Geld. Sehr viel Geld.

Oftmals kennen die findigen BeraterInnen die öffentliche Verwaltung kaum, weder die Gesetze noch die Rahmenbedingungen. Sie gehen umher, schauen, fragen den KollegInnen Löcher in den Bauch und bestellen sie zu Prozessverantwortlichen. Wissen wird abgesogen und der Stadt Wien wieder quasi zurückverkauft - in Form von hübschen Berichten, bunten Diagrammen, eindrucksvollen Präsentationen. Das Firmenlogo und die Namen der AutorInnen auf dem richtigen Platz, professionelles Layout, dynamische Bilder. Doch wesentliche Inhalte und sehr viele gute Ideen stammen größtenteils von unseren KollegInnen. Sie sind es, die in Wirklichkeit die Beratungsfirmen beraten und dafür nichts bekommen, während diese pro Kopf und Nase am Tag mehr als 1.000 Euro nehmen.

"Wir müssen die Bezirksämter zertifizieren!", ist derzeit eine Forderung der BeraterInnen. "Denn Zertifikate liegen voll im Trend, auch in der deutschen Verwaltung! Sie machen sich gut in der PR." "Wir haben ein Zertifikat - das hört sich doch super an, oder?" Der zertifizierte Bescheid. Wow!

Um nicht missverstanden zu werden: Der grundsätzliche Ansatz ist schon in Ordnung. Denn ISO 9001 setzt unter anderem voraus, dass die internen Abläufe den Beteiligten klar und transparent sind. Aber für dieses Grunderfordernis bedarf es keines teuren Stabs externer Beraterfirmen, sondern es genügt, sich intern den kritischen Blick zu bewahren. Standardisierung und Normierung macht vor allem bei technischen Dienststellen Sinn: im Hoch- und Tiefbau, in Laboren etc.

Doch bei gesetzlich definierten, behördlichen Verwaltungsverfahren sind Zertifikate einfach nur teure Show. Wie die Behörde entscheidet, das lässt sich mit ISO-Zertifikaten nicht normieren! Den BürgerInnen bringen zertifizierte Verwaltungsverfahren genau gar nichts. Die Glückshormone werden auch bei Erhalt eines "nach ISO 9001" zertifizierten Strafbescheides nicht fließen. Auch das Image wird nicht verbessert, denn den BürgerInnen ist es egal, ob sie Bescheide mit oder ohne Zertifikat erhalten.

Und was viele nicht wissen: Zertifikate müssen nach drei Jahren erneuert werden, sprich: Die Hunderttausende Euros teuren Audits müssen wiederholt werden. Und dann heißt es wieder: "Guten Tag, Herr Unternehmensberater oder Frau Unternehmensberaterin! Schön, dass wir einander wieder sehen. Was wollen Sie dieses Mal von uns wissen, das Sie uns später wieder teuer rückverkaufen werden?"