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Erfolgsgeschichte sanfter Wiedereinstieg

Wer länger als 50 Tage zu krank ist, um zu arbeiten, kann als Gesunder jetzt wieder nach und nach ins Berufsleben zurückkehren. Das nimmt Stress und Druck, weil nicht sofort die volle Leistung verlangt wird. Wie das funktioniert, hängt von der Art der Erkrankung ab.

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Krankenstand oder Arbeitsfähigkeit - dazwischen lag bis zur Einführung des sanften Wiedereinstiegs dienstrechtlich nichts. Nicht nur psychische Krankheiten wie Burn-out brauchen aber die Möglichkeit eines sanften und schrittweisen Wiedereinstiegs ins Berufsleben. Das heißt, eingeschränkt arbeitsfähig geschriebene Bedienstete haben die Möglichkeit, langsam, ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend, wieder in den Beruf einzusteigen. Keinesfalls muss jemand arbeiten gehen, der krank ist. Diesbezüglich gibt es keinen Interpretationsspielraum.

Sanfter Wiedereinstieg bedeutet also nicht, als Kranker oder Kranke arbeiten zu gehen, obwohl das manche aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, machen. Vielmehr besteht eine Unschärfe zwischen arbeitsunfähig und eingeschränkt arbeitsfähig, aber trotzdem noch nicht vollkommen wiederhergestellt. Nach langer Krankheit und Abwesenheit vom Dienst kann der Wiedereinstieg mit Durchstarten von 0 auf 100 % enormen Druck und Stress auslösen. Rückfall in das alte Krankheitsbild ist oftmals die Folge.

Nicht gleich voll durchstarten zu müssen, heißt das Erfolgsrezept

Ein sanfter Wiedereinstieg nimmt nicht nur den Stress und Druck, sofort wieder volle Leistung bringen zu müssen, sondern führt auch zu einer massiven Reduzierung der Fehlzeiten. Enge Zusammenarbeit mit den behandelnden ÄrztInnen, ArbeitsmedizinerInnen, AmtsärztInnen und den Dienststellen ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Davon profitieren alle Beteiligten. Die Bediensteten, da sie sanft wieder integriert werden; die Dienstgeberin, da es zu weniger Krankenstandstagen und Pensionierungen kommt; und die Krankenkassen aus Kostensicht.

Ob und in welchem Ausmaß die Ausübung einer Tätigkeit möglich und zumutbar ist, hängt selbstverständlich von der Art der Erkrankung ab. Ein Berufslenker mit verstauchtem Fußgelenk wird seine Tätigkeit nicht ausüben können, bei anderen Berufsgruppen wird das vielleicht kein Hindernis sein. So sehr die Dienstgeberin die hohe Anzahl an Krankenstandstagen auch beklagen mag, so sehr ist sie im Einvernehmen mit der Gewerkschaft bemüht, laufend Maßnahmen wie den sanften Wiedereinstieg zur betrieblichen Gesundheitsförderung und zur Reintegration zu schaffen.

Voller Lohnausgleich trotz Diensterleichterungen

Aus unserer Sicht funktioniert dieses System auch deshalb, da es Einkommensverluste vermeidet. Sanfter Wiedereinstieg bedeutet also nicht, das Arbeitsausmaß z. B. auf Teilzeit mit Lohneinbußen zu reduzieren. Vielmehr entsteht voller Lohnausgleich für die Dauer von maximal drei Monaten. Dies entspricht auch dem Wunsch vieler Bediensteten, da sie nicht den Anschluss in der Dienststelle verlieren und sich nicht aufs Abstellgleis gestellt fühlen. Wünschen würden wir uns als Gewerkschaft bessere und transparentere Zusammenarbeit der Dienststellen mit den ArbeitsmedizinerInnen der MA 3, denn letztendlich profitieren sowohl die Dienstgeberin als auch die Bediensteten vom sanften Wiedereinstieg.