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Familienbonus: Nachteil für AlleinerzieherInnen

Der ab 2019 geltende Familienbonus entlastet Familien, in denen beide Elternteile arbeiten und Steuern zahlen. BesserverdienerInnen profitieren, gering Verdienende haben das Nachsehen.

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Wer einen Arbeitsplatz hat und Lohnsteuer bezahlt, dem wird künftig der Familienbonus bis zum angekündigten Höchstausmaß von 1.500 Euro pro Kind im Jahr zugute kommen. Denn die Bundesregierung will, dass "Leistung belohnt" wird. "Leistung" an das Einkommen zu knüpfen, finde ich ehrlich gesagt zynisch. Denn im Umkehrschluss wird damit behauptet, Familien mit geringerem Einkommen erbringen weniger Leistung.

Kinderbetreuungsleistung in Familien mehr wert?

AlleinerzieherInnen, die aufgrund ihrer Betreuungspflichten nur Teilzeit arbeiten können, erbringen also die geringste Leistung für unsere Gesellschaft. Darum erhalten sie künftig auch nur einen Kindermehrbetrag von max. 250 Euro pro Kind und Jahr. Zwar soll noch der Alleinerzieher- und Alleinverdienerabsetzbetrag angehoben werden - aber das neue Familienbonus-System benachteiligt sie gewaltig. Selber schuld, wenn das mit der "heilen Familie" aus welchem Grund auch immer nicht klappt.

Lohnniveaus sind kein Schicksal

Vor allem aber: Ein hohes Gehalt können ArbeitnehmerInnen ja nicht einfach frei wählen. Viele durchaus wichtige Berufe, für die sich Männer nur bedingt interessieren - Stichwort Pflegeberufe, Handel oder Dienstleistungsbranche - sind schlecht bezahlt. Das ist zwar nicht gottgegeben und könnte man ändern - wenn man will! Laut Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung haben die Einkommensunterschiede aber vor allem sachliche Gründe, z.B.: Teilzeitarbeit oder Erwerbsunterbrechungen. Dass der Equal Pay Day immer nur anhand von Vollzeitbeschäftigung berechnet wird, zeigt die Ignoranz der handelnden Personen.

Nicht alle Kinder sind gleich viel wert ...

"Beim Familienbonus gibt es nur Gewinner", hieß es bei dessen Präsentation. Da der Familienbonus an die Lohnsteuer gekoppelt ist, werden viele Teilzeitkräfte allerdings garantiert nicht davon profitieren. Die Kosten für ein Kind sind aber für alle gleich hoch. Warum in einem Land wie Österreich nicht alle Kinder gleich sind und künftig nicht die gleichen Zukunftschancen haben, möge die Regierung bitte begründen.

regina.mueller(at)wien.gv.at

„Heile Familie oder weniger Geld ist die neue Devise!“