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Für den sozialen Zusammenhalt

BP-Kandidat Rudolf Hundstorfer: warum Österreich eine „offene Hofburg“ braucht und weshalb das persönliche Gespräch unersetzlich ist

©Johannes Zinner

Der Name Rudolf Hundstorfer ist untrennbar mit der österreichischen Gewerkschaftsbewegung verbunden. Warum war dieses gewerkschaftliche Engagement für die Gemeindebediensteten von Anfang an so wichtig?

Wahrscheinlich eine Prägung vom Elternhaus. Mein Vater war Zentralbetriebsrat in einer Firma, meine Mutter war ehrenamtliche Fürsorgerätin - da habe ich eine Grundprägung erhalten. Und dann gab es innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Das habe ich dann gemacht.

Verlieren die Gewerkschaften in einer globalisierten Welt an Bedeutung?

Nein, ganz im Gegenteil. Das Arbeitsumfeld ändert sich heute rasant. Gewerkschaften können technologische Entwicklungen wie die Digitalisierung nicht aufhalten, aber sehr wohl gestalten und mitwirken. Gewerkschaften sind heute wichtiger denn je.

Gibt es Erfahrungen aus der Gewerkschaftszeit, die dich geprägt haben? Wenn ja, welche?

Sehr viel kommunizieren und immer wieder versuchen, mit den Menschen zu reden, vor Ort zu sein, auf sie zuzugehen. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber das persönliche Gespräch ist völlig unersetzlich - trotz E-Mail, WhatsApp-Nachrichten und SMS.

Was können die anderen BundespräsidentschaftskandidatInnen weniger gut?

Ich vermeide hier Vergleiche. Ich habe auf meinem Lebensweg in verschiedenen Funktionen bewiesen, was ich kann. Ich bin der einzige Bewerber, der sehr real auch Dinge umsetzen und verantworten musste. Ich habe gelernt, eine Bank zu verkaufen, habe bei vielen Umorganisationen von kommunalen Verwaltungseinheiten aktiv mitgewirkt. Und da habe ich schon einen einzigartigen Lebensweg.

Der Bundespräsident ist überparteilich. Was wären die wichtigsten Themen, die ein Präsident Hundstorfer sofort anginge?

Ich komme aus der Sozialdemokratie und werde als Bundespräsident bemüht sein, möglichst überparteilich aufzutreten, was aber nicht heißt unpolitisch. Ganz wichtig ist mir, den sozialen Zusammenhalt in unserem Land aufrechtzuerhalten. Es geht mir um ein solidarisches und gutes Miteinander in Österreich.

Und wie?

Auch da das gleiche Rezept: viel miteinander reden, den Menschen zuhören, Brücken bauen und bei Problemen anpacken. Immer wieder versuchen, mit der Regierung, mit den Parlamentsparteien und den vielen verschiedenen Interessenvertretungen ins Gespräch zu kommen, und wenn es notwendig ist, Dinge auch öffentlich zu sagen.

Welche Rezepte gibt es für den Bundespräsidenten, gegen den Rechtsruck in Österreich vorzugehen?

Indem man eine klare Position bezieht: gegen Diskriminierung, Intoleranz und Menschenhetze. Rechtspopulismus schadet dem Land, gegen Rechtsextremismus gibt es Gesetze.

Das Image der PolitikerInnen ist nicht das Beste. Warum? 

Das Image war schon besser, keine Frage. Es müssen alle Beteiligten einen kleinen Schritt zurückgehen und einmal reflektieren. Die Politik muss noch transparenter und noch offener werden. Die Medien müssen sich ihrer Verantwortung für die Demokratie bewusster werden. Der massive Populismus klingt gut für die Schlagzeilen löst aber kein einziges Problem.

Was sind die österreichischen Werte, die ein Bundespräsident repräsentieren soll?

Ein klares Bekenntnis zu unserer Nation. In unserem Land gibt es sehr viel Kunst, Kultur. Wir haben tolle SportlerInnen. Eine Mischung aus alledem sollte ein Bundespräsident repräsentieren. Ich bin überzeugt, dass wir in unserem Land den "Zug aufs Tor" zusammenbringen.

"Zug aufs Tor" bedeutet auch Aufbruchsstimmung. Wie kann sie entstehen?

Indem wir uns besinnen auf das, was dieses Land auch ausmacht. Dieser Fleiß, dieses Können und dieses Wissen. Wir sind ein tolles Tourismusland und in einigen Bereichen ein großartiges Forschungsland. Wir haben so viele Betriebe, die auf dem Weltmarkt gut etabliert sind. Unsere Bevölkerung ist in Summe sehr gut drauf. Wir müssen nun gemeinsam eine Aufbruchsstimmung hineinbringen.

Auf die Frage, wie du das Amt des Bundespräsidenten anlegen würdest, hast du in einem Interview erklärt, dir seieine "offene Hofburg" wichtig? Was heißt das konkret?

Unter offener Hofburg verstehe ich, möglichst viel Kontakt mit der Bevölkerung zu haben und mit vielen gesellschaftsrelevanten Gruppen zu reden. Unter anderem zum Beispiel, die Hofburg für kulturelle Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Lässt das Amt des Bundespräsidenten Bürgernähe zu?

Ich hoffe schon!

Du kommst aus einfachen Verhältnissen und hast es vom Lehrling bei der Stadt Wien zum Gewerkschaftspräsidenten, Minister und jetzt auch zum Kandidaten für den Bundespräsidenten geschafft. Bist du stolz auf deinen Werdegang?

Ja, ein wenig schon. Mit viel Fleiß und Freude ist mir einiges gelungen.

Gibt es einen Plan B, wenn du nicht Bundespräsident werden solltest?

Ich trete an, um zu gewinnen. Es gibt keinen Plan B.