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Inklusive Elementarpädagogik – nur ein neuer Name?

Was machen „SonderpädagogInnen“? Wie „besonders“ sind sie und ihre Aufgaben? Und wofür steht eine Pädagogik, in der Kinder mit Etiketten versehen werden, die „besondere“ Kinder von „nicht-besonderen“ separieren?

©PID/Martin Votava

Es gibt es viele philosophische Ansätze - viele Fragestellungen, viele Sichtweisen, viele Ansprüche, was für "besondere" Kinder richtig und wichtig ist. Dementsprechend lange wird das Thema "Sonderbereich" bereits diskutiert. Nun wurde die spezifische Ausbildung zur Sonder(hort) pädagogIn umbenannt: in "Lehrgang Inklusive Elementarpädagogik".

Das Ziel von Inklusion ist es, dass alle Kinder - mit oder ohne "sonderpädagogischen Bedarf" - gemeinsam leben, lernen und spielen. Jedes Kind bekommt die Förderung, die es benötigt. Ein schöner Gedanke!

In der Realität fehlen jedoch trotz aller Bemühungen der Stadt Wien ausgebildete SOKIs und SOHOs. Denn die Arbeit mit Kindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf ist eine enorme geistige und körperliche Herausforderung, die durch rasant steigende Ansprüche auf allen Ebenen noch zusätzlich verschärft wird. Erhöhter Dokumentationsbedarf, Hürden im Bestellwesen (benötigte "Sondermaterialien" sind buchhalterisch oft nur schwer unterzubringen) sowie fehlende personelle und zeitliche Ressourcen erschweren die Arbeit zusätzlich. Dass da das Verständnis und/oder die Kraft der KollegInnen immer öfter fehlt ist nachvollziehbar.

Und wie geht es den KollegInnen in den "Regel- Gruppen"? Den MitarbeiterInnen, die sich enorm einsetzen, um den gemeinsamen Alltag aller anvertrauten Kinder qualitätsvoll zu gestalten - auch mit Kindern, die erhebliche Auffälligkeiten zeigen, aber noch nicht diagnostiziert sind? Denn derzeit müssen KollegInnen Kinder als "besonders" hervorheben, um geeignete Unterstützung durch ExpertInnen (z.B. PsychologInnen, PhysiotherapeutInnen) zu erhalten. Was genau genommen vom Gedanken der Inklusion weit entfernt ist!

Um die gewünschte Änderung hin zu einer Inklusiven Pädagogik mit Leben zu erfüllen, braucht es:

  • zusätzliche ExpertInnen (PsychologInnen, SprachheilpädagogInnen, Autismushilfe etc.),
  • eine ausreichende Anzahl an SOKIs und SOHOs (auch für den mobilen Bereich!),
  • höhere (finanzielle) Anerkennung der Leistung der AssistentInnen sowie deren unkomplizierten Zugang zu speziellen Weiterbildungsmöglichkeiten,
  • das Verbessern des Erwachsenen-Kind-Schlüssels Zeitgemäße Begleitung und Förderung gelingt nur, wenn Diversität auch gelebt werden kann!

Nur "nebeneinander leben" und sich gegenseitig ignorieren, bestenfalls tolerieren, wird nicht zum Ziel führen.

margit.pollak(at)wien.gv.at

marianne.klepac-baur(at)wien.gv.at