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Kindergarten-Demo vom 6.10.2012 in Wien

In die Zukunft investieren!

 

ArbeitnehmerInnen protestierten für ein bundesweit einheitliches Gesetz, kleinere Kindergruppen, größere Räume und angemessene Gehälter.

Mehr als 4.000 DemonstrantInnen folgten Samstag dem Aufruf der Gewerkschaften GdG-KMSfB, GPA-djp und vida zur Demo „Kindergarten: Achtung Einsturzgefahr!!!“ in Wien. Sie protestierten für die Umsetzung eines einheitlichen Bundesrahmengesetzes, für kleinere Kindergruppen, größere Räume und angemessene Gehälter. Insgesamt sind in Kindergärten und Kindertagesheimen in ganz Österreich laut Statistik Austria mehr als 50.000 Menschen beschäftigt, rund 98 Prozent davon sind Frauen.


   „Die Strukturen und Bestimmungen in den einzelnen Ländern sind zu unübersichtlich – sie gleichen einem Fleckerlteppich. Deshalb ist das Motto unserer Demo leider nur allzu zutreffend. In den Kindergärten wird hervorragende Arbeit geleistet. Aber die Bedingungen sind oft schlichtweg unzumutbar – es herrscht Einsturzgefahr für das elementare Bildungssystem in Krippen, Kindergärten und Horte“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten – Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (GdG-KMSfB), Christian Meidlinger.

   Um den bereits 2009 beschlossenen „Bundesländerübergreifenden Bildungsrahmenplans für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich (BRP)" umsetzen zu können, benötigt der elementare Bildungsbereich einheitliche Strukturen. „Nur ein einheitliches Bundesrahmengesetz kann Abhilfe schaffen“, erklärte Meidlinger.

   In diesem Rahmen muss auch die Ausbildung reformiert werden. Meidlinger: „Derzeit empfinden viele KollegInnen die Berufswahl einer Kinderpädagogin/eines Kindergartenpädagogen als bildungspolitische Sackgasse. Um das zu ändern und die bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten, fordern wir - wie in der Europäischen Union bereits üblich - eine Qualifizierung auf tertiärer Ebene. Notwendig ist die Schaffung einer gemeinsamen pädagogischen Hochschule.“

   „Um die Anforderungen, die im Bundesrahmengesetz festgelegt sind, auch erfüllen zu können, muss die Anzahl der Kinder pro Gruppe gesenkt und die Anzahl der BetreuerInnen erhöht werden. Außerdem braucht es zusätzlich Unterstützung durch speziell geschultes Personal wie Logopäden oder Sprachtherapeuten. Man kann nicht auf der einen Seite die Anforderungen erhöhen und auf der anderen Seite die Rahmenbedingungen gleich lassen. Das kann nicht funktionieren“, forderte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Proyer.

   „Auch die Bezahlung muss an das erhöhte Anforderungsprofil angepasst werden. Die hochqualifizierte Arbeit der KindergartenpädagogInnen und –assistentInnen muss entsprechend abgegolten werden. Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist die Anrechnung aller Karenzzeiten, die wir heuer erstmals für den Mindestlohntarif für private Kinderbetreuungseinrichtungen durchsetzten wollen. Unser Ziel ist es, einen einheitlichen Kollektivvertrag für den privaten Bereich zu schaffen. Damit es nicht mehr vorkommen kann, dass beispielsweise die Caritas in Oberösterreich ihre Angestellten unter dem Niveau des Mindestlohntarifs bezahlt“, so Proyer abschließend.

   Konkrete Zahlen zur faire Entlohnung für die Bediensteten nannte Barbara Schröding, Wiener Landessekretärin der Gewerkschaft vida: „Bei KindergartenassistentInnen beträgt der aktuelle Mindestlohntarif für BerufseinsteigerInnen Euro 1.280,- Euro im ersten und zweiten Berufsjahr. Die Gewerkschaft vida fordert für das Jahr 2013 eine deutliche Anhebung für KindergartenassistentInnen/helferInnen sowie für Beschäftigte mit absolvierter gesetzlicher Ausbildung.“

    Die Zusatzkräfte, die die PädagogInnen unterstützen, haben in den einzelnen Landesgesetzen unterschiedlichste Berufsbezeichnungen wie z. b. AssistentInnen, HelferInnen, BetreuerInnen, Stützkräfte. Ebenso vielfältig wie die Berufsbezeichnungen ist auch die erforderliche Berufsausbildung für die AssistentInnen in den Kindergärten. Bei den Wiener Kinderfreunden ist beispielsweise eine abgeschlossene Berufsausbildung ausreichend.

   Die Gewerkschaft vida fordert daher eine insgesamt 300 Stunden umfassende und bundesweit einheitliche Ausbildung die sich aus 200 Stunden theoretischen Inhalten und 100 Stunden Praxis zusammensetzen soll. Die theoretische Ausbildung soll Schulungseinheiten im Umfang von 25 bis 35 Stunden zu den Bereichen pädagogische Grundlagen, didaktische Grundlagen und methodische Ansätze, Spiel, Integration, Grundlagen der Hygiene und Ernährungslehre, Konflikt und Kenntnisse der notwendigen gesetzlichen Grundlagen umfassen. Praktische Ausbildung im Anschluss an die Theorie sollen 100 Stunden Praktikum in einer Kindergarteneinrichtung garantieren, wo alle Inhalte der theoretischen Ausbildung auch praktisch angewendet werden müssen. Die Umsetzung sollte bei Neueinstellungen prinzipiell im Vorfeld der beruflichen Tätigkeit erfolgen. Bei bereits beschäftigten KindergartenhelferInnen sollte es Übergangsregelungen im Bezug auf Praxisanrechnung und Anrechnung von innerbetrieblichen bzw. anderen Aus- aber auch Fortbildungsangeboten geben.

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