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MitarbeiterInnen sind die Visitenkarte der Stadt!

Was eine gute Arbeitgeberin ausmacht und warum es so wichtig ist, die Menschen hinter den Leistungen der Stadt zu zeigen, erklärt Stadtrat Mag. Jürgen Czernohorszky im Interview mit Karin Zauner-Lohmeyer.

Mag. Jürgen Czernohorszky ©Pertramer

Welche Herausforderungen sehen Sie im Bereich der Personalpolitik?

Es geht mir als Erstes immer um die Frage: Was macht eine gute Arbeitgeberin aus? Sie muss die Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen, damit die Stadt auch die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Aufgaben finden kann. Und dann geht's darum, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen, nach ihren Begabungen und Fähigkeiten eingesetzt zu werden. Sie sollen auch innerhalb der Stadtverwaltung entsprechend ihrer Interessen die Stelle wechseln können. Da ist noch viel Spielraum nach oben; dazu brauchen wir auch Reformen im Dienstrecht.

Wie denken Sie über das Thema Entlohnung im Magistrat?

Zentral ist natürlich auch gerechte Entlohnung, ausgehend vom dem, was jeden Tag geleistet und gearbeitet wird. Das war ja auch der Grund, warum sowohl die Dienstnehmer- als auch die Dienstgeberseite die Arbeit an der Besoldungsreform gestartet haben. Ich bin in der guten Situation, dass icheinsteige, wo schon so viel von dieser Arbeit geleistet worden ist. Wir werden das Projekt in den nächsten Monaten zu einem gemeinsamen Abschluss bringen - in dem Geist, den die Diskussion bis jetzt ausgemacht hat: Da sitzen Partnerinnen und Partner an einem Tisch.

Ist Ihnen der Dialog mit der Personalvertretung wichtig?

Sehr. Es muss ein zentrales Anliegen einer guten Arbeitgeberin sein, in einem guten Dialog mit der Personalvertretung zu stehen. Die Stadt wächst und damit die gemeinsamen Herausforderungen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben den Willen zu Veränderungen in ihrem Selbstverständnis. Das können wir allein schon daran erkennen, dass Wien parallel zum Tagesgeschäft in vielen Bereichen Dienstleistungen und Infrastruktur ausbaut. Und dafür muss man auch einmal Danke sagen!

Oft werden die Bediensteten der Stadtverwaltung in den Medien diskreditiert. Was können Sie als Personalstadtrat dagegen tun?

Es ist die Aufgabe unserer Politik, nicht nur von den Dingen und Angeboten, den Maßnahmen, den tollen Sachen, die unsere Stadt hat, zu erzählen, sondern auch von den Leuten, die dahinterstehen und das alles bewerkstelligen. Natürlich "motschkern" die Wienerinnen und Wiener nicht selten. Aber es gibt kaum eine Stadt, die von ihren BewohnerInnen so geliebt wird wie Wien. Das weiß jeder von uns, wenn er oder sie vom Urlaub zurückkommt. Und das ist auch deshalb so, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier so großartige Arbeit machen. Sie sind die Visitenkarte unserer Stadt.

Sie sind auch Bildungsstadtrat, daher meine Frage: Ist das Bildungssystem in Österreich gerecht?

Nein, derzeit nicht. Es hängt nicht vom Herzen, vom Kopf, von den Begabungen eines Kindes ab, ob es mehr oder weniger Chancen hat, sondern es hängt davon ab, woher die Eltern kommen, wie viel Geld oder welchen Bildungszugang sie selbst haben. Das will ich ändern. Bildung muss dazu beitragen, Chancen zu eröffnen, sie darf nicht Unterschiede verfestigen.

Ein Zukunftsressort?

Ja, aber als Jugend- und Kinderpolitiker mag ich es nicht so gerne, wenn wir zu jungen Menschen sagen: "Ihr seid unsere Zukunft!" Denn diese Menschen sind ja jetzt schon da und haben den Wunsch, sich zu verwirklichen, zu lernen; und deshalb ist es auch wichtig, nicht für die Zukunft, sondern in der Gegenwart Rahmenbedingungen zu setzen, dass jeder/jede gerne lernt und generell eine tolle Zeit in Wien erlebt.

Der Anteil an Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache ist an manchen Schulen immens hoch. Wie begegnen Sie als zuständiger Stadtrat diesem Thema?

Zuwanderung macht einen dynamischen Ballungsraum aus, und Wien ist vermutlich derzeit der dynamischste Ballungsraum in Europa. Aber unabhängig davon muss man gerade in Schulen und auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel beim Wohnen oder bei den Sozialsystemen in unserer Stadt sagen, was Sache ist, um den Herausforderungen zu begegnen. Dass an vielen Schulen in unserer Stadt sehr viele Kinder, wenn sie zu uns kommen, Deutsch einfach zu schlecht sprechen, um dem Unterricht folgen zu können, ist eine große Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer. Und unsere Antwort darauf muss sein: Hinschauen und starke Unterstützung anbieten!

Wie sieht diese Unterstützung aus?

Wir brauchen in unserem Bildungssystem die Erkenntnis, dass dort, wo mehr Herausforderungen sind, auch mehr Ressourcen sein müssen. Es kann nicht sein, dass da österreichweit die " Gießkanne" herrscht und eine Landschule mit fünfzehn Kindern, die alle eine ähnliche Lebensgeschichte haben, im selben Ausmaß unterstützt wird wie eine Schule in der Stadt. Dass so viele Kinder verschiedene Sprachen sprechen, ist für die Stadt auch eine riesengroße Chance. Wir brauchen daher ein Angebot an sozialarbeiterischer Unterstützung und Sprachpädagoginnen und -pädagogen, damit Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeit leisten können. Von Problemen wegzuschauen hat noch keines gelöst!