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Sanfter Wiedereinstieg

nach längerem Krankenstand

Krankenstand oder Arbeitsfähigkeit – dazwischen gibt es dienstrechtlich derzeit nichts. Gerade psychische Krankheiten wie „Burn-out“ brauchen aber die Möglichkeit eines sanften und schrittweisen Wiedereinstiegs ins Berufsleben.

Das heißt, eingeschränkt arbeitsfähig geschriebene Bedienstete müssen die Möglichkeit erhalten, langsam, ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend, wieder in den Beruf einzusteigen. Keinesfalls muss jemand arbeiten gehen, der krank ist. Diesbezüglich gibt es keinen Interpretationsspielraum.

Es geht also nicht darum, als Kranker oder Kranke arbeiten zu gehen, obwohl das manche aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, machen. Vielmehr besteht eine Gratwanderung zwischen arbeitsunfähig und eingeschränkt arbeitsfähig, aber trotzdem noch nicht vollkommen wiederhergestellt. Nach langer Krankheit und Abwesenheit vom Dienst kann der Wiedereinstieg mit Durchstarten von 0 auf 100 % enormen Druck und Stress auslösen. Rückfall in das alte Krankheitsbild kann die Folge sein.


Nicht gleich voll durchstarten müssen

Ein sanfter Wiedereinstieg würde nicht nur den Stress und Druck nehmen, sofort wieder volle Leistung bringen zu müssen, sondern auch zu einer massiven Reduzierung der Fehlzeiten führen. Enge Zusammenarbeit mit den behandelnden ÄrztInnen, ArbeitsmedizinerInnen, AmtsärztInnen und den Dienststellen ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Profitieren würden davon alle Beteiligten. Die Bediensteten, da sie sanft wieder integriert werden würden; die Dienstgeberin, da es zu weniger Krankenstandstagen und Pensionierungen kommen würde; und die Krankenkassen aus Kostensicht.

Ob und in welchem Ausmaß die Ausübung einer Tätigkeit möglich und zumutbar ist, hängt selbstverständlich von der Art der Erkrankung ab. Ein Berufslenker mit verstauchtem Fußgelenk wird seine Tätigkeit nicht ausüben können, bei anderen Berufsgruppen wird das vielleicht kein Hindernis sein. So sehr die Dienstgeberin die hohe Anzahl an Krankenstandstagen auch beklagen mag,  so sehr ist sie in erster Linie auch gefordert, Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung und zur Reintegration zu schaffen.


Voller Lohnausgleich durch Kostenteilung

Aus unserer Sicht kann dieses System nur ohne Einkommensverluste funktionieren. Sanfter Wiedereinstieg bedeutet also nicht, das Arbeitsausmaß auf Teilzeit mit Lohneinbußen zu reduzieren. Vielmehr fordern wir vollen Lohnausgleich durch Kostenaufteilung zwischen Dienstgeberin und Kassen. Es ist uns aber auch ganz wichtig zu betonen, dass dies auch dem Wunsch vieler Bediensteten entspricht, die im derzeitigen System keine Möglichkeit haben, ihre Arbeitskraft zumindest zum Teil einzubringen. Den Dienststellen gehen somit viel Wissen, Qualität und Einsatz verloren, die MitarbeiterInnen verlieren durch das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, rasch an Motivation und Selbstwertgefühl.


Als FSG-Gewerkschaft fordern wir daher, rasch die Rahmenbedingungen für einen sanften Wiedereinstieg nach langer Krankheit zu schaffen. Wir stehen aber auch dafür, dass niemand, der krank ist, arbeiten gehen muss, denn das Recht auf Erholung und Wiederherstellung der Gesundheit muss erhalten bleiben.

 

Bei Fragen steht Ihnen die Hauptgruppe 1 gerne zur Verfügung.

manfred.obermueller(at)wien.gv.at