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Unterm Weihnachtsbaum viele Rechnungen

Kindergärten: Die Buchhaltung schaut, dass die „Kassa“ stimmt, die Leitung schaut, dass das „Haus“ funktioniert. Eine administrative Unterstützung durch entsprechend geschulte KollegInnen wäre da fein.

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In den letzten Jahren haben die Bestimmungen für den Einkauf und den Umgang mit Rechnungen massiv zugenommen. Im Wissen, dass es sich dabei ja um öffentliche Gelder handelt, verständlich. Kostenbewusstsein, Transparenz und Kontrolle haben da durchaus ihre Berechtigung.

Was bedeutet das aber in der Praxis? Kostenbewusstsein, Transparenz und Kontrolle waren auch schon vorher für unsere MitarbeiterInnen eine Selbstverständlichkeit. Für das Haus und für die Kinder wurde gerne darauf geachtet, finanzielle Mittel sinnvoll und ressourcenorientiert einzusetzen. KollegInnen hatten oft bei anderen Erledigungen, manche sogar beim privaten Wochenendeinkauf, die Augen offen und Praktisches und Nötiges für das Haus gleich mitbesorgt. Diese Vorgangsweise spart Zeit. Eigentlich eine gute Sache, könnte man meinen. Wenn es um die derzeitige buchhalterische Sicht geht, jedoch nicht. Da hilft kein besonders günstiger Preis und auch kein "G'spür" für Wesentliches.

Rechnungspraxis derzeit wenig praxisfreundlich

Menschen im pädagogischen Feld arbeiten Tag für Tag mit Bedürfnissen, sind flexibel und gewohnt, sich auf Situationen neu einzustellen. Warum werden also Neuerungen und Mehraufwand bei Verrechnung/ Beschaffung als so störend empfunden? Die Grundhaltung der KollegInnen ist meist: sich für Menschen und deren Bedürfnissen einzusetzen. Das ist ja auch ihre Kernaufgabe und wird als sinnvoll gesehen. Alles, was diesen Einsatz zusätzlich erschwert und mehr Zeit kostet, wird als unnötig, sinnlos und belastend betrachtet.

Zwischen "Haushalten können" und "Buchhaltung" liegen Welten. Nicht umsonst ist das Beschaffungswesen eine eigene Materie mit ExpertInnen. Dringend notwendig und wichtig, damit dieser große Betrieb wirtschaftlich und rechtlich abgedeckt arbeiten kann. Aber die innere Logik des Systems "Verrechnung" hat wenig mit der inneren Logik einer situationsorientierten Praxis zu tun. Dass sich da "Verständnisprobleme" ergeben, ist klar.

Konzentration auf das Wesentliche

Gefordert ist somit gegenseitiges Verständnis, aber auch das Bewusstsein, eine gute Buchhaltung diene dazu, dass "Kindergärten" optimal arbeiten können. Kindergartenpersonal soll sich auf seine ureigenen Aufgaben konzentrieren können - den Einsatz für Menschen. Kurz gesagt: Die Buchhaltung schaut, dass die "Kassa" stimmt - die Leitung schaut, dass das "Haus" funktioniert. Eine administrative Unterstützung durch entsprechend geschulte KollegInnen wäre also fein. Durch Personen, die sowohl die Praxis "da draußen" kennen als auch relevante Kompetenzen erworben haben.

Vielleicht ist dieser Ansatz ja auch eine Möglichkeit, einen Schritt hin zu alternsgerechten Arbeitsplätzen für KollegInnen zu machen ... Diese Gedanken sind nicht neu, aber wann, wenn nicht zu Weihnachten, darf man sich was wünschen?!

 

 

marianne.klepac-baur(at)wien.gv.at

margit.pollak(at)wien.gv.at