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Vierzig Jahre sind genug!

Besoldungssystem - Neues muss her

 

Wer an der Wende der Sechziger zu den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts in die Dienste der Stadt getreten ist, hat das aktuelle Besoldungssystem bereits ausgesessen. Jetzt muss frischer Wind her. Ein leichtes Lüfterl ist bereits fühlbar. 

Die heute Älteren und Alten haben sich Jahrzehnte durch die Mühen der ebenen Gehaltskurven gequält, jeden (damals noch) Schilling umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen. Haben viel Geld in ihre Kinder investiert, damit diese etwas lernen können und es „einmal gut haben“. Heutzutage, da immer mehr junge Menschen immer länger das „Hotel Mama“ der selbstverantwortlichen Haushaltsführung vorziehen, ist die finanzielle Begleitung durch die Familien nicht vom Tisch. Dass sie sich jetzt, am Ende des Berufslebens und nachdem sie gut 40 Jahre lang eine anfangs wenig ersprießliche Gehaltskurve ausgesessen haben, etwas leisten können wollen, halten sie für legitim. 

Wer schon eine Weile im Berufsleben steht, wird vom neuen Gehaltskurveverbiegen nichts merken, weil sich für ihn nichts ändert, höchstens vielleicht eine Möglichkeit zum Umsteigen vom alten ins neue System. Und für die jetzigen Jungspunde wird nur mehr die neue Gehaltstabelle relevant sein. 

Die viel kritisierten Zulagen, einst Gelegenheit, die Anforderungen an bestimmte subjektive Aufgaben abzugelten, sollen nicht mehr einen dicken Ordner füllen, sondern im Gehalt aufgehen. Die tadellose Dienstbeurteilung, Voraussetzung für die (umstrittene) Leistungszulage, wird sich nicht mehr im Gehalt auswirken. Es wird auch nicht mehr ausschließlich entscheidend sein, welche Zeugnisse über Schul- und Berufsausbildung man vorlegen kann, deren Korsett dann das ganze Berufsleben beengt, wenngleich der Bologna-Prozess auch den Wiener Gemeindebediensteten die finanzielle Anerkennung ihrer Fachhochschulausbildung bescheren muss. Der Schranken der Gehaltsschemata, die jetzt noch massive Grenzpfähle bedeuten, sollen durchlässiger werden. Und ehe der Magistrat neue MitarbeiterInnen von außen holt, sollen – „Aufstieg vor „Einstieg“ – bereits im Dienst Stehende Chancen auf Weiterkommen erhalten.

Jetzt rauchen bei Stadt Wien und der Gewerkschaft die Köpfe, wie sich 200 Berufsgruppen transparent in den Gehaltsansätzen darstellen lassen, welche Potenziale der MitarbeiterInnen für die verschiedenen Aufgaben gebraucht und wie die Leistung so abgegolten werden kann (Hays-Modell), dass alle damit leben können. Die Stadtverantwortlichen müssen sich darauf einstellen, dass sie in der Umstellungsphase einiges an Geld in die Hand nehmen werden müssen, bis Kostenneutralität erreicht wird. Dass sie sich für die Planung der Umstellung zwei Legislaturperioden Zeit nehmen wollen, ist für die Gewerkschaft schwer nachvollziehbar und im Licht möglicher politischer Veränderungen eine gefährliche Option.

michael.kerschbaumer(at)wien.gv.at