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Warum es sich lohnt, ums Recht zu kämpfen

Der Einsatz für selbstbestimmtes Leben lohnt sich immer. Wir dürfen nicht müde werden, dafür einzutreten. Mittlerweile werden bestehende Errungenschaften wieder infrage gestellt, und es wird darüber nachgedacht, ob gestellte Forderungen nicht überzogen sind. Nein, sind sie nicht, und was wir noch wollen oder brauchen, bestimmen wir selbst!

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Frauenrechtlerinnen haben immer das Stigma, Überzogenes zu fordern. Ich bin froh und dankbar, dass sich Frauen früherer Generationen nicht beirren ließen und vehement für die Rechte der Frauen eingetreten sind. Zum Beispiel beim Frauenwahlrecht, bei dem lange galt: "Die Frau braucht nicht selbst wählen zu gehen, sie wird durch den Mann mitvertreten."

Großmutter kannte den Wert guter Ausbildung

Daran erkennen wir, dass bereits erworbene Rechte keine Selbstverständlichkeit sind. Unsere Vorstreiterinnen haben gegen enormen Wiederstand viel erreicht. Meine Großmutter (Jahrgang 1908) war eine starke und für ihre Zeit sehr emanzipierte Frau. Doch aufgrund ihres Geschlechtes waren ihr oft die Hände gebunden. Sie hatte keine Möglichkeit, eine Lehre zu absolvieren; Frauen "ihres Standes" mussten als Dienstmädchen arbeiten. Sie war es auch, die mir immer vermittelt hat, wie wichtig es ist, eine Ausbildung zu abzuschließen, damit ich ein wirtschaftlich unabhängiges Leben führen kann.

Die Vorstellung, meinen Partner zu fragen, ob ich arbeiten gehen und ob ich mein selbst verdientes Geld ausgeben darf, wäre für mich auch unvorstellbar.

Entscheidung zwischen Familie und Karriere

Heute haben wir es mit anderen Herausforderungen zu tun. Oft wird Frauen suggeriert, dass sie sich zwischen Kind und Karriere entscheiden müssten. Diese Sichtweise zeigt mir, dass wir noch einen weiten Weg zur Gleichberechtigung haben. Kein Mann wird gefragt, ob sich sein Beruf mit seinen Kindern vereinbaren lässt. Wenn er bei der Betreuung und Erziehung mitmacht, wird er als Held gefeiert. Für die Frau gilt das als selbstverständlich. Entscheidet sich die Frau mit Kind für die Karriere, wird sie als Rabenmutter abgestempelt. Hier gilt es, traditionelle Rollenbilder aufzubrechen. Frauen, die sich für beides entscheiden, müssen zum einen entsprechende Rahmenbedingungen vorfinden und zum anderen Unterstützung durch die Gesellschaft bekommen.

Wir haben ein Erbe angetreten. Heute können wir viele Entscheidungen selbstbestimmt und selbstbewusst treffen. Das gilt es, vehement zu verteidigen, auszubauen und weiterzuentwickeln. Wenn wir das nicht machen, machen es andere für uns. Ob wir das dann so wollen, stelle ich infrage.