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Wir fordern unser Bruttonationalglück

Das wird doch nicht zu viel verlangt sein: Zwischen Aufstehen und Schlafengehen wollen wir glücklich sein; wenn’s geht, auch darüber hinaus.

In der amerikanischen Verfassung von 1776 ist das festgeschrieben - wohl nicht ohne Grund als Bestandteil der Freiheitserklärung. Und dass die BürgerInnen des Himalaya-Staates Bhutan Anspruch auf Glück haben, ist längst bekannt. Laut dem World Happiness Report der UNO sollen neben Dänen und Schweizern die Menschen in Island und Norwegen zu den glücklichsten gehören. Unter den Top Ten finden sich zudem Finnland, Kanada, die Niederlande, Neuseeland, Australien und Schweden.

Hierzulande bieten mehr als 100 Schulen das Fach "Glück" an, für das die LehrerInnen eine eigene Ausbildung erhalten haben. In der Steiermark läuft das Projekt seit Jahren erfolgreich.

Friedrich Torberg lässt seine berühmte "Tante Jolesch" philosophieren: "Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist." Wenn man seine Grundbedürfnisse Wohnen, Frieden und Sicherheit, soziale Absicherung und stabilen Arbeitsplatz erfüllt findet, reicht das vielen Menschen, um sich glücklich zu schätzen. Das sind nicht zuletzt jene, die sich selbst als SchmiedInnen ihres Glücks empfinden können. Bund, Länder und Gemeinden stellen Infrastruktur bereit, um die wir anderswo beneidet werden. Wien ist durch sein rasches Bevölkerungswachstum innerhalb der nächsten Jahre dabei besonders gefordert, da es ca. um die Anzahl aller BewohnerInnen von Graz wachsen wird.

Man muss auch etwas dafür tun

Mancher konservative Politiker hätte gerne einen dicken Polster an Arbeitslosen, die bequem als "industrielle Reserve" gehalten werden und einander gegenseitig die Einkommen drücken sollen. Dass die Einkommen nicht ständig nach unten lizitiert werden, ist ein Anliegen der Gewerkschaften. Sie bilden eine Barriere gegen die Wunschliste der UnternehmerInnen, von denen sich bekanntlich viele um Abgaben drücken, die für unser Sozialsystem gebraucht werden.

ArbeitnehmerInnenvertreterInnen verhandeln sogar alljährlich höhere Einkommen - und haben ja auch die kürzlich erfolgte Steuerreform durchgesetzt. Fertig werden die Gewerkschaften mit ihrer Arbeit nie sein. Nochmals "Tante Jolesch": "Nehmen wir an, du sitzt in einem Gasthaus und weißt, dass du nur noch eine halbe Stunde zu leben hast. Was bestellst du dir?" - "Etwas Fertiges", antwortet sie.

michael.kerschbaumer(at)younion.at