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„Wir in Wien setzen auf starke Gewerkschaften.“

Im „teamwork“-Interview erklärt Bürgermeister Michael Ludwig, weshalb er ein leidenschaftlicher Verfechter der Sozialpartnerschaft ist und was die Stadt unternimmt, um Menschen Ängste zu nehmen.

Bgm. Michael Ludwig ©PID / Könighshofer

Die Stadt Wien wächst rasant. Die Infrastruktur und die Dienstleistungen der Stadt werden laufend ausgebaut, doch die Dienstposten bleiben gleich. Wie kann es gelingen, dass unter diesen Rahmenbedingungen die Stadtverwaltung ihre hohe Service-Qualität erhalten kann?

 

Dass Wien so gut funktioniert und die Lebensqualität in unserer Stadt so hoch ist, ist dem Engagement und dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt zu verdanken. Ich sehe es als Bürgermeister als meine Aufgabe an, dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beste Arbeitsbedingungen haben. Um das zu erreichen, haben wir Schritte gesetzt, wie wir in der gesamten Stadt effizienter arbeiten können. Das ist nicht neu, aber es ist notwendig, immer wieder zu überprüfen, ob die Maßnahmen greifen, oder ob nachgebessert werden muss. Es geht darum, etwaige Doppelgleisigkeiten zu beenden und Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Das ist ein permanenter Prozess.

 

Obwohl Wien eine so hohe Lebensqualität hat, gibt es viele Menschen, die Ängste haben: soziale Ängste, Angst vor Zuwanderung, vor Verlust des Arbeitsplatzes. Angst ist der Nährboden für Populismus. Wie kann die Stadt diesen Ängsten der Menschen begegnen? 

 

Wir müssen diese Ängste ernst nehmen. Und das tun wir. Die Wiener Sozialdemokratie zeigt seit 1918 – die Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus ausgenommen wie eine Millionenstadt funktionieren kann, die darauf achtet, dass niemand zurückgelassen wird. Die darauf schaut, dass es leistbaren Wohnraum gibt, dass es gleiche Bildungschancen für alle gibt, dass es eine ausgezeichnete medizinische Versorgung für alle gibt und dass die Stadt an sich eben funktioniert. Zugegeben, in der heutigen Zeit ist Populismus wieder „in“. Es ist leicht, Ängste zu schüren. Wir als Wiener Sozialdemokratie zeigen mit unserer Politik jedoch, was man gegen diese Ängste tun kann. 

 

Stichwort Sicherheit und Ordnung. Warum ist Dir gerade dieses Thema so wichtig? 

 

Weil das vorrangige Anliegen der Menschen in dieser Stadt sind. Niemand will sich auf der Straße unwohl fühlen oder gar Angst haben. Und niemand möchte in einer Stadt leben, in der einige wenige meinen, sie können tun und lassen, was sie wollen. Deshalb ist es mir wichtig zu zeigen, dass wir in Wien ein solches Verhalten nicht akzeptieren.

 

Wie würdest Du Deine Beziehung zur Gewerkschaft beschreiben? 

 

Als ausgezeichnet. Nicht zuletzt durch meine Herkunft und meine Erfahrungen, die ich in meinem gesamten Berufsleben gemacht habe – ich war auch in einem Betriebsrat tätig, bin ich von der Sinnhaftigkeit einer starken Gewerkschaft mehr als überzeugt. Wie ich ja überhaupt ein leidenschaftlicher Verfechter der Sozialpartnerschaft bin. Denn dieses Miteinander ist es, das den Erfolg unserer Stadt und unseres Landes ausmacht. Die Gewerkschaft ist eine tragende und verantwortungsvolle Säule unseres Landes. Auf Bundesebene gibt es so manche, die das offenbar vergessen haben. Klar ist: Wir in Wien setzen voll und ganz auf die Sozialpartnerschaft und auf starke Gewerkschaften.

 

Ist die SPÖ auch heute noch die Partei der ArbeitnehmerInnen? Kann man das so sagen?

 

Die SPÖ ist d i e Partei der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 

 

Muss dieses Profil nachgeschärft werden?

 

Das Profil muss ständig nachgeschärft werden, weil sich ja auch die Betätigungsfelder der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ändern. Stichwort Digitalisierung: Erst vor wenigen Wochen habe ich zum ersten Wiener Sozialpartnergipfel ins Rathaus eingeladen, wo wir intensiv über die Herausforderungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt diskutiert haben.

 

Wie kann es gelingen, dass die SPÖ die stärkste Kraft in Wien bleibt? 

 

Indem wir weiter unseren Weg als Wiener Sozialdemokratie gehen. Wir stehen für eine Politik, die sich um die täglichen Bedürfnisse der Menschen kümmert. Die für leistbaren Wohnraum eintritt, für optimale medizinische Versorgung für alle, offenen Zugang zu Bildung, Kinderbetreuung, bestmöglicher Pflege. Eine Politik, die darauf schaut, dass niemand zurückgelassen wird.

 

Wie wird es aus Deiner Sicht mit der EU weitergehen? Wo sollte es Deiner Meinung nach hingehen?

 

Die EU ist das größte Friedensprojekt, das unser Kontinent je zustande gebracht hat. Und doch steht sie heute auf dem Prüfstand. Populisten in vielen Ländern der EU versuchen durch Angstmache und Hetzerei die Menschen zu verunsichern und die EU in Misskredit zu bringen. Dem müssen wir entschieden entgegentreten. Die Zukunft unseres Kontinents liegt nicht in der Kleinstaaterei. Um unseren Wohlstand absichern zu können, um gegen Konkurrenz etwa aus Asien bestehen zu können, müssen wir gemeinsam agieren. 

 

Wie bedeutsam ist das Engagement der Stadt Wien in Europa?

 

Sehr. Wie überhaupt das Engagement der Städte in Europa wichtig und bedeutsam ist. Denn so wie auch in Österreich, sind in ganz Europa die Städte und Gemeinden die wichtigste Ebene des Staats. Die Ebene, die den Menschen Antworten und Lösungen für die Herausforderungen des Alltags bieten müssen. Daher ist es so wichtig, dass die Sichtweisen der Städte in Europa besonders gehört und wahrgenommen werden. 

 

Ein Blick in Deinen Lebenslauf zeigt, dass Dir Bildung und Kultur große Anliegen sind. Warum gerade diese beiden Themen?

 

Weil ich davon überzeugt bin, dass Bildung der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben ist. Bildung und Kultur sind beides Bollwerke gegen Nationalismus und Radikalismus. Und das ist es, was unser Land und Europa benötigen.

 

Was sind wichtige Eigenschaften für einen Bürgermeister bzw. eine Bürgermeisterin?

 

Die wohl wichtigste ist, die Menschen zu mögen – in allen Facetten, die in einer Gesellschaft vorkommen.

 

Was sind für Dich die drei wichtigsten politischen Werte?

 

Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit.

 

Gibt es Menschen, die Dich politisch ganz besonders geprägt haben? 

 

Da gibt es eine ganz Reihe von Personen und ich fürchte, dass ich, wenn ich versuchen würde, sie alle aufzählen, sicherlich jemanden auslasse. Erst vor kurzem sind zwei für mich wichtige Sozialdemokraten verstorben: Der frühere Stadtrat und Landtagspräsident Fritz Hofmann, von dem ich in Floridsdorf viel in Sachen Bezirkspolitik und Kommunalpolitik gelernt habe. Und Rudi Gelbard, dessen Lebensgeschichte mich immer darin bestärkt hat, mit Engagement und Nachdruck gegen jegliche rechtsradikale Tendenzen in unserer Gesellschaft mit Vehemenz aufzutreten. Und natürlich auch Bruno Kreisky.

 

Hast Du eine Art politische Vision für Wien? 

 

Wien ist seit Jahrzehnten das europa-, wenn nicht sogar weltweite Herzeigprojekt gelungener, nachhaltiger sozialdemokratischer Kommunalpolitik. Dass Wien so eine hohe Lebensqualität hat, ist kein Zufall und auch nicht einfach gegeben, sondern Ergebnis konsequenter sozialdemokratischer Arbeit. Und das muss so bleiben. Wien muss eine Stadt sein, in der es nicht zwei oder gar mehrere Geschwindigkeiten gibt. Wien muss eine Stadt bleiben, in der es nur eine Geschwindigkeit gibt. Eine Stadt, in der niemand zurückgelassen wird.

 

Hast Du einen persönlichen Leitsatz oder ein Lebensmotto?

 

Ich sag immer: „Beim Reden kommen d’Leut zsam.“ Das gilt im Leben wie in der Politik. Wenn man miteinander im Gespräch ist, dann öffnet das auch den Blickwinkel. Im Dialog lassen sich auch Probleme lösen. Es ist die Basis für jedes Miteinander. 

teamwork(at)fsg-hg1.at

 

„Die Gewerkschaft ist eine tragende und verantwortungsvolle Säule unseres Landes.“