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“Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite!“

Interview mit Mag. Michael Fink

Mag. Michael Fink ist der unabhängige Bedienstetenschutzbeauftragte der Stadt Wien. teamwork hat mit ihm über seine Arbeit und seine Ziele gesprochen.

Der unabhängige Bedienstetenschutzbeauftragte entspricht nicht dem Arbeitsinspektor aus der Privatwirtschaft. Was sind die wesentlichen Unterschiede?

Der gravierende Unterschied zu einem Arbeitsinspektorat besteht darin, dass der Wiener Bedienstetenschutzbeauftragte keine Sanktionsmöglichkeiten hat. Er ist keine Behörde wie das Arbeitsinspektorat und kann daher keine Sofortmaßnahmen verfügen. Er ist jedoch weisungsfrei und kann unter anderem Dienststellen besichtigen, Auskünfte und Berichte verlangen, Einsicht in Unterlagen nehmen, etc.

Ist Ihre Stelle ein „zahnloser Tiger“?

Das würde ich so nicht sagen. Die Stadt Wien bekennt sich zum Bedienstetenschutz. Ich kann auch ohne Sanktionen  durch intensive Kommunikation auf die handelnden Personeneinwirken:  ein offenes Wort mit der Dienststellenleitung, der Magistratsdirektionoder der Personalvertretung kann gemeinsam einiges bewirken

Besonders sensible Kommunikation verlangt das Thema Mobbing. Die Mobbingberatung gehört auch in Ihren Aufgabenbereich. Wie wird dort gearbeitet?

Mit höchster Vertraulichkeit. In der Mobbingberatung arbeiten eine  Psychologin und ein Psychologe, die zunächst klären, ob es sich tatsächlich um Mobbing handelt.

Wenn es sich um Mobbing handelt: Wie geht es dann weiter?

Bei Mobbingfällen werden grundsätzlich nur mit Zustimmung der Betroffenen  weitere Schritte gesetzt. Wichtig ist, dass Führungskräfte, Kolleginnen und Kollegen aber auch die Personalvertretung Mobbing schon im Frühstadium erkennen und professionell mit der Situation umgehen. Daher halten wir Vorträge zu dem Thema und bieten Seminare an – vor allem für Führungskräfte.

Assoziiert wird der Bedienstetenschutzbeauftragte mit Kontrollen in den Dienststellen. Wie kann ich mir diese vorstellen? Wer kommt und prüft?

Im Bedienstetenschutz arbeiten  Technikernnen und Techniker mit Juristinnen und Juristen. Ihr Auftrag ist es, bei Begehungen in den Dienststellen die zuständigen Personen vor Ort (von der Dienststelle nominierte Ansprechpartner) auf Sicherheitsmängel aufmerksam zu machen und gleich über Möglichkeiten der Behebung zu sprechen. Bei den Begehungen geht es auch um das Sensibilisieren. Wir dokumentieren den Handlungsbedarf. Den Zuständigen in den Abteilungen wird mitgeteilt, welche Mängel behoben werden müssen, allenfalls wird in einem weiteren Schritt mit der Dienststellenleitung Kontakt aufgenommen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Was sind häufige Mängel?

Schlecht markierte Fluchtwege, Defizite im Brandschutz, Stolpergefahr durch Kabelsalat, falsche Bildschirmaufstellungen, fehlende Schutzkleidung etc.  

Haben die Dienststellen nicht Angst vor Ihnen, vor der übermächtigen Kontrollinstanz, die auftaucht und „Probleme macht“?

Ich hoffe nicht. Das will ich ganz und gar nicht! Beim Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz der Bediensteten ist Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen von höchster Bedeutung. Hier geht es nicht darum, irgendjemandem Probleme zu machen. Ganz im Gegenteil.

Was sagen Sie den Dienststellenleiterinnen und Dienststellenleitern?

Ich ermuntere sie, gemeinsam mit uns zu arbeiten, um Probleme zu beseitigen. Ihr Vertrauen erreiche ich durch viele persönliche Gespräche. Daher besuche ich derzeit alle Dienststellen und biete unsere Unterstützung an und nutze die Gelegenheit alle persönlich wiederzusehen. Wir wollen bessere Arbeits- und Gesundheitsbedingungen für unsere Kolleginnen und Kollegen erreichen und das kann nur im Sinne aller Beteiligten sein.

Das wollen die Personalvertretung und die Gewerkschaft auch…

Stimmt. Wir setzen uns alle für die  Bediensteten ein. Daher werde ich eng mit beiden zusammenarbeiten. Mir ist die Gesundheitsprävention immens wichtig. Ich möchte, dass sich die Bediensteten wohlfühlen, motiviert sind und ihre Arbeitsfähigkeit möglichst lang erhalten bleibt. Letztendlich spart sich die Stadt durch engagierten Bedienstetenschutz auch Kosten und fördert die Reputation als attraktive Arbeitgeberin.

Denken Sie, dass die Kolleginnen und Kollegen draußen wissen, was Sie alles anbieten?

Ich denke nicht. Daher werden wir in Zukunft der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit einen noch größeren Stellenwert einräumen Mein Ziel ist es, die Vertrauensstelle für die Sorgen und Probleme der Bediensteten im Magistrat zu werden. Wir werden alles vertraulich behandeln und versuchen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien auf jeden Fall weiterzuhelfen.