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„Wir wollen Brot und Rosen“

Internationaler Frauentag am 8. März 2014

Der Internationale Frauentag wird weltweit von den Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg für die Gleichberechtigung und das Wahlrecht.

In Österreich wurde das allgemeine Frauenwahlrecht 1918 nach langem Kampf durch engagierte, opferbereite und entschlossene Frauen eingeführt.

Brot und Rosen!

Das Motto: „Brot und Rosen“ stammt aus einer Rede der New Yorker Gewerkschafterin Rose Schneiderman im Jahr 1911. Beim sogenannten „Brot-und-Rosen-Streik“ kämpften Frauen mit Migrationshintergrund für ihre Interessen. Sie forderten nicht nur gerechten Lohn („Brot“), sondern auch eine menschenwürdige Arbeits- und Lebensumgebung („Rosen“).

2014 müssen Frauen nach wie vor in vielen Bereichen um Gleichstellung kämpfen.

Der Ausbau von ganztägigen Kinderbetreuungseinrichtungen ist nur eine der Forderungen, die es Frauen ermöglichen soll, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen und auch gut bezahlte Vollzeitstellen zu besetzen. Allerdings bringt die gesellschaftliche Rollenverteilung (Mann: Hauptverdiener, Frau: Zusatzverdienerin + Haushalt + Erziehung + Pflege) Frauen nach wie vor in ein unlösbares Dilemma: Wirtschaftliche Unabhängigkeit durch gut bezahlte (Vollzeit-)Stellen ist ihnen – trotz guter Ausbildung – wegen der Doppelbelastung nur in den seltensten Fällen möglich. Hinzu kommt, dass in frauendominierten Berufen zunehmend nur mehr Teilzeitstellen angeboten werden (z. B. Handel). Es bedarf dringend einer Neubewertung von Arbeit: Als „Arbeit“ wird nach wie vor ausschließlich die Erwerbsarbeit definiert. Jedoch könnte die Gesellschaft ohne die - überwiegend von Frauen geleistete - unbezahlte Arbeit („Sorgearbeit“) überhaupt nicht funktionieren. Es geht nicht nur um die Frage ob Frauen eher in männerdominierte Berufe einsteigen sollen, die einfach besser bezahlt werden. Ja natürlich sollen Frauen in „männerdominierte“ Berufe einsteigen, sofern sie das auch wollen. Wir fordern, dass dies den Frauen auch möglich ist. Wer sagt, dass Sorgearbeit, Hausarbeit etc. „automatisch“ Frauenarbeit sein soll? Warum werden „typische Frauenberufe“ nicht besser bezahlt? Wieso schneidet Österreich bei der „Lohnschere“ Männer – Frauen nach wie vor derart schlecht ab? Gesellschaftspolitisch wird eine Stunde Pflege an einem Menschen, die Betreuung von Kindern in den Bildungseinrichtungen in Sonntagsreden zwar als besonders wertvoll angesehen, das schlägt sich jedoch bei der Bezahlung oder den Rahmenbedingungen für die Beschäftigten nicht nieder. Eine Stunde Arbeit an einem Zylinderkopf, an einer Maschine oder an einem Auto scheint der Gesellschaft mehr wert zu sein als eine Stunde Pflege an einem Menschen. Autos pflegen niemanden, Zylinderköpfe erziehen niemanden und Maschinen unterrichten niemanden.

 

Regina Müller, Vorsitzende der HG 1-Frauen

Regina.mueller(at)wien.gv.at