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Wo (k)ein Kläger – da (k)ein Richter

Ein Gerichtsurteil zu einem Fall in der Steiermark verunsichert zu Recht KollegInnen in ganz Österreich. Pädagogische Konzepte stehen immer öfter im Konflikt mit den praktischen Aufgaben im Kindergartenalltag.

Kindergärten sollen Fähigkeit zum Leben in der Gemeinschaft fördern, KollegInnen werden aber bei der Erfüllung der Aufgaben alleingelassen. ©shutterstock

Laut Gesetz haben Kindergärten in Wien "die Aufgabe, in Ergänzung zur Familie nach gesicherten Kenntnissen und Methoden der Pädagogik die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit jedes Kindes und seine Fähigkeit zum Leben in der Gemeinschaft zu fördern und es in der Entwicklung seiner körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte zu unterstützen."

Bei dieser Aufgabenfülle stellt sich die Frage, wer das denn schaffen soll? Wie viele Personen braucht es denn, um diesen Anspruch auch jenseits von Leitfäden Realität werden zu lassen? Da ist noch gar keine Rede davon, wie es denn mit der Aufsichtspflicht im offenen Betrieb wirklich steht und wie man all unseren "Individualisten" Einzelförderung zukommen lassen soll. Was hier Tag für Tag durch KollegInnen geleistet wird, damit Kindergärten "Bildungsgärten" sein können, ist enorm.

Ruf nach dem Kadi und den Medien

Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss, aber langfristig Bestand haben soll; alle individuell behandelt werden wollen, aber niemand diskriminiert werden darf; man es allen recht machen soll, aber nicht auf die Einhaltung bestehender Regeln pochen darf ...

Die Bereitschaft, "Missstände" per Rechtsanwalt zu klären, steigt. Medien sind auf der Jagd nach Schlagzeilen - inhaltliche Abklärung erfolgt oft nicht. Fertig ist der perfekte Mix, der KollegInnen verunsichert. Fakt ist: Die Angst, geklagt zu werden, steigt - und das leider berechtigterweise. Überhöhte oder einander widersprechende Anforderungen kosten Kraft, frustrieren und lassen "am System zweifeln".

Dass die Rahmenbedingungen endlich verbessert werden müssen, ist klar. Rechtlich schaut es aber so aus: In der MA 10 gibt es Leitfäden zu diesem Thema - die Gewerkschaft gewährleistet auf jeden Fall rechtliche Absicherung für ihre Mitglieder, während die Dienstgeberin schwächelt.