News Aktuell Beiträge 

Arbeit darf nicht krank machen

Beim Thema Gesundheitsprävention ist rasches Handeln gefragt

©shutterstock

„Gesundheit ist nicht alles, doch ohne Gesundheit ist alles nichts“ – dieses Zitat hat in unserer leistungsorientierten Gesellschaft mehr denn je seine Gültigkeit. Für Rahmenbedingungen zu kämpfen, die sicherstellen, dass Arbeit nicht krank macht, war immer ein Kernanliegen der Gewerkschaftsbewegung und wird es auch immer sein.

Standen beim Thema Gesundheit und Arbeit vor Jahren noch vor allem körperliche Belastungen im Mittelpunkt der Betrachtung, wie das richtige Sitzen, Tragen, Heben und Schleppen oder gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen (Lärm, Staub etc.), so geht es heute auch ganz stark um Themen wie Stress, Leistungsdruck und um psychisch belastende Tätigkeiten. Fakt ist: Menschen, die tagein tagaus mit Problemen und Härtefällen zu tun haben und in diesem Zusammenhang wichtige Entscheidungen treffen müssen, unterliegen einem hohen Risiko, irgendwann „auszubrennen“. Es ist einfach schwer, die Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen. Wenn sich die Gedanken nur noch um die Arbeit drehen, dann macht das nicht nur was mit den betroffenen KollegInnen, sondern auch mit deren Familien und Bekannten. Wenn sich dann auch noch private Probleme mit Partnern, Kindern oder Verwandten dazuschlagen, dann kann schon einmal alles zu viel werden. Viel zu viel. Langzeitkrankenstände sind die Folge.

Psychische Erkrankungen steigen

Wie akut die Situation in der Arbeitswelt beim Thema psychische Gesundheit bereits ist, zeigt ein Blick auf die Gesundheitsstatistik: Im Vorjahr sind 75 Prozent aller Krankenstände durch psychische Erkrankungen verursacht worden. Wir müssen uns deutlich intensiver als bisher mit der Frage auseinandersetzen: Wie muss Arbeit gestaltet sein, damit sie gesundheitlich unbeschadet bis zum Ruhestand ausgeführt werden kann? Dieses Thema ist ein brennendes, weil die Bediensteten bei Land und Bund durchschnittlich immer älter werden und ältere ArbeitnehmerInnen mehr medizinische Betreuung und auch andere Rahmenbedingungen benötigen als jüngere.

Das Durchschnittsalter der Bediensteten der Stadt Wien lag 2018 bei 44,2 Jahren und steigt weiter. Den Zusammenhang von Alter und krankheitsbedingten Fehlzeiten (inklusive Unfällen und Kuraufenthalten) zeigt der Personalbericht der Stadt Wien. Während KollegInnen unter 24 Jahren pro Jahr durchschnittlich
rund 9 Tage fehlen, sind es in der Gruppe der über 60-Jährigen rund 25 Tage. Trotz der immer älter werdenden Belegschaft gelingt es der Stadtverwaltung jedoch, die Fehlzeiten über alle Altersgruppen seit 2016 auf einem konstanten Niveau zu halten, bei rund 15 Tagen. Das ist bemerkenswert, vor allem was unsere KollegInnen betrifft. Statistiken hin oder her: Eine Dienstgeberin, die den Anspruch hat, modern, sozial und attraktiv zu sein und im Kampf um die besten Köpfe mithalten möchte, muss sich um die psychische Gesundheitsförderung der Bediensteten kümmern. Es braucht aus unserer Sicht noch mehr Anstrengungen, um psychische Belastungsfaktoren zu reduzieren. Das Ziel kann doch nur sein, dass die KollegInnen erst gar nicht krank werden.

Was ist nötig?

Die Arbeitsmedizin ist im Wiener Bedienstetenschutzgesetz vorgeschrieben. Ihre Aufgabe ist das Erkennen von gesundheits- und leistungsrelevanten Faktoren in einem Unternehmen. Nach Beurteilung dieser werden Verbesserungsmaßnahmen empfohlen. Viele Unternehmen kaufen diese Leistungen von externen AnbieterInnen zu. Der Magistrat ging bisher einen anderen Weg! Die gesetzlichen Vorgaben wurden mit eigenem Personal abgedeckt. Doch schon längere Zeit gibt es einen Mangel an ArbeitsmedizinerInnen. Der Grund: Ein beginnender Mangel an ArbeitsmedizinerInnen in Verbindung mit zu geringen Löhnen in dieser Sparte. Durch hartnäckige Verhandlungen mit der Dienstgeberin ist es gelungen, die Gehälter der ArbeitsmedizinerInnen deutlich zu verbessern, um diesen Beruf attraktiver zu gestalten und eine Unterbesetzung abzuwenden. Neben den ArbeitsmedizinerInnen brauchen wir künftig aber auch wesentlich mehr ArbeitspsychologInnen und mehr betriebliche Sozialarbeit. Unsere KollegInnen, die psychischen Belastungen ausgesetzt sind, müssen sich für den Erhalt der seelischen Gesundheit an Profis wenden können. Vielleicht ist eine Kombination aus internen und externen Angeboten des Rätsels Lösung.

Arbeitsmedizin und Vorsorge kooperieren

Damit das arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Know-how gebündelt wird, könnte beispielsweise ein Zentrum für diese Leistungen eingerichtet werden. Dieses sollte eng mit dem bereits etablierten Vorsorgezentrum zusammenarbeiten. Das hätte aus unserer Sicht sehr viele Vorteile, vor allem bei Krankheiten, die einen schleichenden Verlauf zeigen.Werden zum Beispiel erste Krankheitssymptome von Diabetes Typ II erkannt, so kann durch gezielte Ernährungsberatung und Bewegungstherapie gegengesteuert werden. Sollte sich ein Burnout ankündigen – und das tut es – dann kann noch gegengesteuert werden. Die Alternativen sind lange Krankenstände oder dauernde Dienstunfähigkeit.

Internes Arbeitsmarktservice

Nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“ freuen wir uns, dass die Dienstgeberin die Errichtung eines internen Arbeitsmarktservices zugesagt hat. Denn wenn die Arbeit einfach keinen Spaß macht, weil man unter- oder überfordert ist, dann gefährdet das à la longue die Gesundheit. Viele Bedienstete wollen sich nach einigen Jahren auch einfach weiterentwickeln. Dies nicht tun zu können, kann zu einer
Belastung werden.

Auswege aus einer solchen Situation finden sich künftig leichter, nicht zuletzt durch eine Software, welche die Dienstgeberin angeschafft hat. Damit werden alle offenen Dienstposten im Intranet veröffentlicht und mehr Transparenz geschaffen, die Software unterstützt aber auch eine Überprüfung, wie gut Stelle bleibt noch eine Beratungsstelle für all jene KollegInnen, die ein vertrauliches Gespräch dem EDV-Tool vorziehen.

Die Dienstgeberin hat Anfang dieses Jahres das Programm „Arbeitswelt und Gesundheit“ gestartet. Ziel des Programms sei es, „zukunftsfähige Modelle zu entwickeln, die sich an den Bedürfnissen und Lebensrealitäten der MitarbeiterInnen orientieren und langfristig motivierend und gesundheitsfördernd wirken.“ Der Erfolg dieses Programms besteht jedoch nicht im Zusammenführen von bestehenden Konzepten und im Verschriftlichen von „guten Ideen“, sondern darin, was am Ende des Tages tatsächlich umgesetzt wird, um die Arbeitsbedingungen der KollegInnen nachhaltig zu verbessern. Die sogenannte „neue Arbeitswelt“ muss in erster Linie eine „gesunde Arbeitswelt“ sein. Darauf werden wir achten.


teamwork(at)fsg-hg1.at

 

"Die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen
zu erhalten zahlt sich
auch für die Dienstgeberin aus."