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Konservative Frauenpolitik – Politik für Frauen?

Die neue Ministerin für Frauen und Integration der türkis-grünen Bundesregierung, Susanne Raab (ÖVP), will keine Feministin sein und hat Sexismus selbst noch nie erlebt.

Egal ob im Berufs- oder Privatleben: Halbe-halbe ist weder da noch dort Realität ©shutterstock

Frauen erhoffen sich zu Recht von einer Politikerin, die für die Anliegen von Frauen zuständig ist, einen umfassenden Blick auf die gesellschaftliche Realität. Egal ob Karrierechancen oder Einkommen, ob Doppelbelastung, weil Frauen nach wie vor den Großteil an Erziehungs- und Haushaltsarbeit übernehmen müssen, oder das Messen mit zweierlei Maß – was bei Männern als zielstrebig gilt, wird bei Frauen als verbissen abgewertet: Von tatsächlicher gesellschaftlicher Gleichstellung von Mann und Frau sind wir noch meilenweit entfernt.

Nun haben wir eine Frauenministerin – die „glücklicherweise“ – „noch nie persönlich Sexismus am Arbeitsplatz erlebt“ hat, wie sie in einem Interview mit der Tageszeitung Heute sagte. Und die sich in einem Interview mit dem Radiosender Ö1 vom Feminismus distanzierte.

Selbstbestimmung und Gleichberechtigung

Feminismus tritt für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, für Menschenwürde, für die Selbstbestimmung von Frauen und vor allem gegen alle Formen von Sexismus ein. Denn Sexismus hat viele Gesichter – auch wenn er oftmals schwer greifbar ist, es gibt ihn trotzdem. Dass sich vor allem Frauen als Feministinnen bezeichnen, liegt auf der Hand: Den Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter müssen überwiegend Frauen ausfechten. Auch wenn historische Errungenschaften, wie das Wahlrecht oder das Recht, einem Beruf nachzugehen und über selbst verdientes Geld auch selbst zu bestimmen, heute als selbstverständlich gelten – sich als Frauenministerin gegen Feminismus zu verwehren, verblüfft dann doch.

In Wien ist Gleichstellung Thema

Der Wiener Gleichstellungsmonitor erhebt seit Jahren den Ist-Stand anhand konkreter Zahlen und Fakten. Der Gleichstellungsmonitor zeigt nicht nur etwaige Probleme oder Benachteiligungen von Frauen auf, er dient auch als Grundlage für die Weiterentwicklung von Fördermaßnahmen. Er erscheint alle drei Jahre und gibt der Stadt Wien neue Impulse, um Ungleichheiten zu beseitigen.

Ist in Wien für Frauen alles paletti? Nein, natürlich nicht. Aber es wird hin- und nicht weggeschaut. Und die um Ausgleich bemühte Sozialpolitik in Wien macht das Leben und Arbeiten für Frauen um vieles leichter. Vor allem aber werden hart erkämpfte Errungenschaften nicht wieder zur Diskussion gestellt, ob sie denn überhaupt noch „zeitgemäß“ seien.

regina.mueller(at)wien.gv.at