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Amoklauf im Blätterwald

Beamtinnen und Beamte im Fadenkreuz des Boulevards

Norbert Pelzer c) HG 1

Ärmelschoner sind ein Relikt  aus  vergangenen Zeiten. Und doch sieht man sie derzeit wieder  überall:  Vor  allem  Berichte  über Frühpensionen werden in vielen Zeitungen mit  Menschen  illustriert,  die  Ärmelschoner  übergestreift haben. Diese sollen Beamte darstellen und verweisen auf eine Zeit, als noch von Hand mit Tinte geschrieben wurde und ein entsprechender Schutz der Hemdsärmel  angeraten  war.  Was unausgesprochen mitschwingt: An dieser Gruppe geht der raue Wettbewerb vorbei,  sie werden nach wie vor geschont.

 

Mit der Wirklichkeit haben diese Bilder so wenig gemeinsam wie ein österreichischer Bauer, der Rösser vor seinen Pflug spannt. Wer auf  Frau  Knackal  und  Herrn  Breitfuß  aus  der ORF-Sitcom „MA 2412“ zurückgreift um den öffentlichen  Dienst  darzustellen,  hat  mehrere  Jahrzehnte schlichtweg verschlafen.

 

Falschinformationen am laufenden Band
Die Schlagzeilen von Zeitungsberichten in den letzten Wochen unterstreichen das: „Millionen für Beamte“ heißt es da, „Unser schönstes Weihnachtsgeschenk: Keine Frühpensionen mehr für Beamte!“, „Öffentlicher Dienst kostet uns jährlich bis zu 28 Milliarden Euro“ etc. Wir kennen das alles zur Genüge: Nicht nur im privaten Kreis müssen wir uns als Folge dieser Berichterstattung mehr denn je gegen Anwürfe verteidigen, die schlicht auf  Falschinformation beruhen.

 

BeamtInnen - Sündenböcke der Politik
Die  Motive  und  tieferen  Ursachen  hinter  dem  Beamten-Bashing sind vielfältig. Sicher ist, dass in der aufgeheizten  Stimmungslage  die  Suche  nach  Sündenböcken besonders intensiv betrieben wird – statt
sich selbst solidarisch einzubringen, ist es ja einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Gerade für PolitikerInnen, die verabsäumt haben, die Weichen rechtzeitig zu stellen, ist es nur bequem, vom eigenen Versagen abzulenken:  "Die  Beamten  sind  schuld!" –  mit  dieser einfachen Formel wird der Boulevard gefüttert.

 

Was wirklich wahr ist:

  • Von 65.000 MitarbeiterInnen der Stadt Wien sind rund 36 Prozent pragmatisiert.
  • Der Anteil der frühzeitigen Ruhestandsversetzungen ist in den letzten Jahren von 55 auf 53 Prozent gesunken.
  • Beamte haben keine Langzeitversichertenregelung (Hacklerregelung), zahlen als Aktive erhöhte Pensionsbeiträge – und im Ruhestand „Solidarbeiträge“ von bis zu 10 Prozent.
  • Beamte beziehen keine Abfertigung
  • Der Durchrechnungszeitraum beträgt derzeit 10 Jahre, bei den Nebengebühren 40 Jahre!

(Norbert Pelzer)