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Bombendrohung ist kein "Spaß"

Offener Leserbrief an die Gratiszeitung "Heute"

Sehr geehrtes „Heute“-Team!


Die Nacht zum vergangenen Donnerstag hat eine/r eurer Mitarbeiter/innen offenbar im „Witzkisterl“ verbracht. Anders ist kaum zu erklären, dass besagtes Mitglied eurer Redaktion einen Bericht über eine Bombendrohung gegen das Bezirksamt Ottakring (Seite 16) mit der „launigen“ Bemerkung abschließt, nach Beendigung des Polizeieinsatzes seien „die Beamten rechtzeitig zum Gabelfrühstück zurückgewesen“.


Diese witzlose und herablassende Pointe ist zutiefst beleidigend für alle im Wiener Magistrat Beschäftigten, denen offenbar zum Gaudium der LeserInnen unterstellt werden soll, sie hätten angesichts einer Bombendrohung keine anderen Sorgen als die nächste Pause zu planen und zu verbringen. Dieser pseudolustige Seitenhieb ist aber noch mehr. Nämlich zumindest gedankenlos angesichts von Nachrichtensendungen, in denen im Wochentakt von Bombenattentaten berichtet wird. Und zwar nicht vom anderen Ende der Welt. In Norwegen steht heute ein Massenmörder vor Gericht, der ein Auto gesprengt und in seinem Wahnsinn 77 Menschen grundlos niedergemetzelt hat. Und in Wien macht eine Massenzeitung launige Scherzchen über eine Bombendrohung.

 

Zur Sache ist zusammenfassend zu sagen, dass eine Entschuldigung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bezirksamtes und Amtshauses Ottakring wahrscheinlich eine ziemlich gute Idee wäre. Sie machen nämlich einen ausgezeichneten und anspruchsvollen Job. In Zahlen: Die Wiener Bezirksämter, Bezirksvorstehungen und Standesämter verzeichnen weit mehr als eine Million Kundenkontakte pro Jahr. Zu ihren ursprünglichen Aufgaben sind in den vergangenen Jahren unter anderem Fundamt, Meldeamt und Passamt hinzugekommen. Für die zusätzlichen Aufgaben stehen weder mehr Personal noch höhere finanzielle Mittel zur Verfügung. Dass die Bediensteten trotzdem weiter hervorragende Arbeit leisten, zeigen die außerordentlich hohe Kundenzufriedenheit und die verschwindend geringe Zahl von Beschwerden.


Vielleicht wäre das ja auch einmal einen Artikel wert. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass diese Entschuldigung genauso wenig kommen wird, wie die Veröffentlichung dieses Leserbriefes, da dies in Zeiten des „Beamtenbashings“ weder zum Stil ihrer Zeitung gehört, noch in ihrem Sinn witzig ist.
Eines weiß ich aber mit Sicherheit, dass kein öffentlich Bediensteter trotz ihrer negativen Berichterstattung der letzten Monate und Jahre, eine Bombendrohung gegen ihre Redaktion mit der Sorge versehen würde, ob sie rechtzeitig zum Gabelfrühstück zurück wären.


Mit freundlichen Grüßen,


Manfred Obermüller
Vorsitzender der Gewerkschaft und Personalvertretung der Bezirksämter, Bezirksvorstehungen und Standesämter

 

Hier die betreffende Zeitungsmeldung