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Einkommensschere: Gibt es sie wirklich?

HG1-Frauen kritisieren den profil-Artikel

Schere c) Robert Schulze, flickr.com

Gernot Bauer und Josef Treichler haben in einem profil-Artikel (in der Ausgabe 14/2012) „neueste Berechnungsmethoden und Studien analysiert, die besagen, dass die Lohnschere zwischen Frauen und Männern ein Mythos (=Topfen) ist und wir „Frauen“ uns das offensichtlich nur einbilden. Bei dem  angesprochenen Gleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 1993 vermisse ich die Novelle vom 1. März 2011, die unter anderem die gesetzliche Verpflichtung zur Erstellung eines Einkommensberichts für Unternehmen ab einer bestimmten Größe beinhaltet.  Ihre Recherchen besagen „schon“, dass Frauen länger in Karenz gehen und im Anschluss danach  eher in Teilzeit gehen als Männer. Es ist Fakt, dass der überwiegende Teil der  Väter Vollzeit arbeitet und Mütter in Teilzeit.  Der daraus resultierende Einkommensverlust sollte jeder/jedem logisch erscheinen.

 

Auch der Einkommensverlust aufgrund der Durchrechnung  in der Pension für Frauen bleibt unbesprochen. Ich darf an dieser Stelle die Pensionsreform in Erinnerung rufen.  Beamte haben im Jahr 2042 die volle Durchrechnung und Vertragsbedienstete bereits im Jahr 2028.  Von der unbezahlten Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird,  wird im Artikel nicht berichtet.  Dass Frauen oftmals aufgrund der familiären Situation in Teilzeit gedrängt werden, ist dann auch nicht real.

 

Die Anzahl der Männer, die Karenz in Anspruch nehmen, ist auch heute noch – in unserer aufgeklärten Gesellschaft – weitaus geringer als die Zahl der Frauen, die sich um den Nachwuchs kümmern. Kommt dann noch ein weiteres Kind, wird die Dauer des Fernbleibens vom Beruf immer länger. Daraus können sich für Frauen Nachteile in der Karriereplanung ergeben, auch darauf wird im profil-Artikel mit keinem Wort eingegangen. In diversen Beratungsstellen hören BeraterInnen oft das Argument, dass Frauen in Karenz gehen, weil der Mann ja mehr verdiene. Hierbei davon auszugehen, dass es keinen Unterschied im Einkommen zwischen Frauen und Männer gibt und der Equal Pay Day scheinbar eine weibliche Erfindung von listigen Politikerinnen ist, ist impertinent. Und, Überraschung: der profil-Artikel stammt von zwei Männern!

 

Regina Müller ()