News Archiv Beiträge 

„Es haben immer nur Optimisten die Welt verbessert“

Robert Misik im teamwork-Interview

Robert Misik, Bild: privat

Robert Misik ist einer der streitbarsten linken Publizisten seiner Generation. Was seine politische Denklaufbahn geprägt hat und warum er kein Politiker geworden ist, hat er im teamwork-Interview erzählt.

 

Das Gespräch führte teamwork-Redakteurin Karin Zauner.

Robert, was hat deine politische Einstellung geprägt? Deine Eltern?

Nein, mit meinen Eltern hat das gar nichts zu tun. Es war in einer Zeit, in der es noch so etwas wie vitale linke Jugendbewegungen gegeben hat. 1980/81 gab es die Burggartenbewegung und die Hausbesetzungsgeschichten. Mich hat das als damals 14-Jähriger sehr beeindruckt.

Wenn du mit einer historischen Figur ein Gespräch führen könntest, welche wäre das?
Da gäbe es viele: Kreisky, Roosevelt, Keynes, Palme oder Marx.

Hast du studiert?
Ja, ich habe studiert, aber keine klassische Studentenkarriere. Ich habe zwei Jahre Volkswirtschaft und zwei Jahre Geschichte studiert. Dann habe ich 1989 bei der AZ begonnen.

Wie war deine Studienzeit?
Das Studium war nicht so verschult wie heute. In Wirklichkeit hat man als junger Radikaler nicht viel fürs Studium gemacht, weil man ja viel Anderes, Interessanteres zu tun hatte.

Du hast ja auch eine Zeit in Berlin gelebt. Was hat dich dorthin gezogen?
1991 wurde die AZ eingestellt und ich hatte keinen Job mehr. „profil“ hat mich gefragt, ob ich als Korrespondent nach Deutschland gehen möchte. Klar hab ich „Ja“ gesagt.

Was schätzt du an Berlin?
Anfang der 90er Jahre war gerade die Mauer gefallen. Es war extrem spannend in Berlin. Es sind neue Leute in städtische Brachen gezogen, die Stadt wurde plötzlich international als „hipp“ anerkannt. Und das ist sie heute noch: ein kreativer Hotspot. Das gefällt mir.

Was magst du an Wien?
Ich bin hier geboren, ich kenn mich hier aus. Wien ist eine schöne Stadt, sie funktioniert gut, ist aber ein bisschen fad.

Du ziehst dich gerne auch ins Waldviertel zurück, hab ich auf der Website gelesen. Findest du dort die Ruhe zum Schreiben?
Ich habe zwei Kinder und wenn die Ferien haben, dann fahren wir ins Waldviertel. Aber es ist nicht so, dass ich zum Schreiben irgendwohin fahren muss. Wenn man ein Buch schreiben will, dann muss man halt das Tagesgeschäft, die vielen Tausend E-Mails und Millionen facebook-Connections herunterfahren und sich konzentrieren. Es ist eigentlich dann wurscht, wo man lebt.

Warst du selber einmal Gewerkschafter?
Nein, nicht wirklich. Es gab innerhalb der KMfB in diesen 1970 und 1980er Jahren auch eine Gruppe für Schülerzeitungen. Da war ich Schülerzeitungsgewerkschafter.

Hast du dir schon einmal in deinem Leben überlegt, in die Politik zu gehen?
Naja, als Gedankenexperiment durchgespielt, sicher. Wenn man ein politischer Mensch ist, der einerseits gerne schreibt und andererseits Ideale hat, dann schlagen zwei Herzen in einer Brust. Eines des Autors und eines des politischen Aktivisten. Wenn man glaubt, dass man es besser weiß, dann glaubt man auch, dass man es besser kann. Leider wird mich aber wohl niemand fragen, ob ich Bundeskanzler werden möchte.

Was würde dich am Politikersein stören?
Man ist in Hierarchien eingeklemmt, von Apparaten abhängig, von unzähligen Leuten abhängig, die man sich nicht aussuchen kann und von tausenden Sachzwängen. Das bedeutet freilich auch, dass man noch so gut sein kann, es kommt nicht immer was Gutes raus.

Wie denkst du über die österreichische Verwaltung und die Beamten?
Es ist gut, dass es eine staatliche Verwaltung gibt, die privatwirtschaftlichen Spielen entzogen ist. Das engstirnige politische Hausmacht-Denken und dass sie als Endlager für irgendwelche politischen Funktionäre herhalten muss, ist eine andere Sache. Dieses Land ist gut verwaltet, aber dieser „Brain-Trust“, der eine Verwaltung auch sein könnte, wird immer schlechter.

Was glaubst du, was sollten die Gewerkschaften in Österreich besser machen?
Sie sollten ein bisschen mehr Selbstbewusstsein haben beim Werben für die eigenen Großideen. Sie müssen auch etwas beweglicher sein. Ich glaube aber, dass viele Gewerkschaften mittlerweile vieles richtig machen.

Wann hast du das letzte Mal richtig herzlich gelacht?
Gestern? Also ich lache häufiger als einmal am Tag. Es ist gerade als politischer Mensch wichtig, dass man ein fröhlicher Mensch ist. Es haben immer nur Optimisten die Welt verbessert.