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Fata Morgana

Privatisieren ist nicht das Allheilmittel

Griechenland, viel gescholten ob seiner statistisch versteckten Riesenschulden, hat bei den öffentlich Bediensteten längst zugeschlagen: Nulllohnrunden gibt es dort seit 2009, Gehaltskürzungen bei Zulagen, Nebengebühren sowie dem 13. und 14. Gehalt. Auch nahezu alle anderen Länder verlangen ihren Bediensteten tief greifende Opfer ab. In ganz Europa setzen Regierungen bei ihrem Personal den Rotstift an,das gegenüber privat Beschäftigten immer mehr ins Hintertreffen schlittert.

 

BeamtInnen erwirtschaften täglich 200 Euro

Nach Kalkulation des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (2003) erbringt jeder Angestellte im öffentlichen Dienst im Durchschnitt eine tägliche Wertschöpfung von 200 Euro. Peter Hablützel, oberster Personalchef der Schweizerischen Bundesbediensteten:

„Fachliche Anforderungen, Komplexität und Hektik sind mit jenen eines Dienstleistungsbetriebs der Privatwirtschaft durchaus vergleichbar.“ Er bedauert, dass „das Personal immer mehr zum Spielball einer kurzfristigen Budgetpolitik wird.“ Dadurch schwänden auch die Motivation und vor allem die Bereitschaft
des Personals, Veränderungen aktiv mitzutragen. Seht mal, ob’s die Privaten besser können.

 

Private wirtschaften für sich - nicht für das Gemeinwohl

In Großbritannien sollte die weiland gut funktionierende britische Bahn durch Privatisierung billiger, zuverlässiger, effizienter und pünktlicher werden. Tausende Bahnkilometer und zwei Drittel der Bahnhöfe verschwanden daraufhin. Das Schienennetz verfiel, während Aktionäre Kupons schnitten; das auch noch,
als viele Bahnreisende auf den verlotterten Anlagen ums Leben kamen oder schwer verletzt wurden. Network Rail, jetzt zuständig für alle  festen Anlagen, musste um 500 Millionen Pfund die verrotteten Anlagen zurückkaufen, Milliarden in die Instandsetzung pulvern und sich mit 2.000 privaten Firmen sowie 24
Zugbetreibern herumschlagen. Weil auch die Preise der Tickets explodierten, wünscht sich die Mehrheit der Reisenden eine Rückkehr in die öffentliche Hand. Ähnliches passierte bei derWasserversorgung, von der sich mangels Gewinns enttäuschte Unternehmer jetzt zurückziehen wollen. Ihre Hinterlassenschaft
ist ein desolates Wasserversorgungsnetz.

 

Wettbewerb zu Lasten des Personals

Private „Westbahn“ beklagt zu billige ÖBB-Tickets „Die Tickets sind zu billig“, kritisiert man bei der privaten „Westbahn“, die seit einem halben Jahr den ÖBB Konkurrenz macht. Allerdings nicht auf der dahinzuckelnden Mariazellerbahn, sondern auf der gewinnträchtigsten Strecke im österreichischen Schienennetz zwischen Wien und Salzburg. Die „Westbahn“- MitarbeiterInnen sind in Personalunion Häusl- und Putzfrauen, Köche und Kellner. Der Unterbietungswettbewerb wird auf den Schultern des Personals ausgetragen. Bei den ÖBB kommt die bisherige Querfinanzierung zwischen ertragreichen und ertragschwachen Strecken zu Lasten der Reisenden ins Holpern. Die Pendler kriegen es zu spüren.

 

(Michael Kerschbaumer)