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FSG-Vondrasek zum "Equal Pay Day"

"Frauenförderung bei Vergabe öffentl. Aufträge berücksichtigen"

Vondrasek, Bild: oeg.or.at

Wien (OTS/FSG-Frauen) - "Es wäre eine Schande, wenn wir uns im 21. Jahrhundert damit zufrieden geben würden, dass der ,Equal Pay Day' im Vergleich zum Vorjahr heuer nur um fünf Tage später im Kalender auf den 4. Oktober fällt", sagt die Frauenvorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG-Frauen), Elisabeth Vondrasek, anlässlich des heutigen Starts des Gehaltsrechners für mehr Transparenz. Denn der Unterschied zwischen Frauen- und Männereinkommen betrage nach wie vor knapp 25 Prozent: "Ein Zustand, der weder zeitgemäß noch tragbar ist", kritisiert Vondrasek.

Die bisherigen Erfahrungen zeigten laut Vondrasek, dass nur viele gemeinsame Initiativen und Maßnahmen die Einkommenssituationen von Frauen verbessern können. Viele arbeitende Frauen wüssten oft gar nicht, was ihnen an Einkommen zustehen würde. Vondrasek begrüßt daher vor allem die Initiativen von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek: "Mit dem Online-Gehaltsrechner wird Frauen beispielsweise mehr Mut gemacht, das Einkommen einzufordern, das ihnen auch zusteht", so Vondrasek. Die ÖGB-Frauen bieten zudem mit dem Ratgeber "GUT VERHANDELT = BESSER BEZAHLT!" Tipps für das Bewerbungsgepräch oder für die individuelle Gehaltsverhandlung an. "Das Wissen um den eigenen ,Marktwert' und die branchenübliche Entlohnung sind gute Orientierungshilfen für Einkommensverhandlungen", ist Vondrasek überzeugt. Das fördere zudem die Motivation von Frauen und bringe so auch positive wirtschaftliche Effekte.

"Wir müssen allerdings an vielen Schrauben gleichzeitig drehen, um arbeitenden Frauen zu ihrem fairen und gerechten Einkommen zu verhelfen." Dazu gehört für Vondrasek auch, Kollektivverträge nach indirekter Frauenbenachteiligung zu durchforsten: "Manchmal ist das nicht absichtlich in den Köpfen verankert - oft muss man darauf nur aufmerksam machen und den Fokus darauf legen, bestimmte Punke für Frauen extra zu verhandeln." Auch spezielle "Aufhollohnrunden" kann sich Vondrasek zum rascheren Schließen der Einkommensschere vorstellen.

Besonders problematisch sei aber der Niedriglohnbereich. Da sei noch einiges zu verhandeln, "damit die Frauen ein Einkommen erhalten, von dem sie leben können". Vondrasek fordert einen Mindestlohn von 1.300 Euro, insbesondere angesichts der rasant steigenden Lebenserhaltungskosten, damit Frauen nicht schon während ihrer Erwerbsarbeit in die Armutsfalle tappen. Denn gerade vielen teilzeitbeschäftigten Frauen mit niedrigen Einkommen drohe spätestens in der Pension ein Abrutschen in die Armut.

Vondrasek schlägt auch vor, bei der öffentlichen Auftragsvergabe frauenfördernde Maßnahmen mit zu berücksichtigen, die unter anderem der tatsächlichen Vielfalt in der Beschäftigungsstruktur, insbesondere in den Führungsetagen der Wirtschaft, gerecht werden. Denn freiwillige Verhaltensregeln würden nur sehr wenig zur Verbesserung beitragen.

Die FSG-Frauen treten daher dafür ein, dass Unternehmen öffentlich darlegen müssen, welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden, um mehr Vielfalt in ihren Führungsgremien zu erreichen. Damit soll eine Ausgewogenheit hinsichtlich des Geschlechtes hergestellt werden. "Zudem bedarf es Kontrollmechanismen, die die tatsächlichen Aktivitäten auch prüfen", fordert Vondrasek. Denn in Österreich gebe es einen erheblichen Missstand vor allem in Vorständen und in Aufsichtsräten: In der Geschäftsführung ist der Frauenanteil in den Top-200-Unternehmen laut einer Untersuchung von 2011 um beinahe einen Prozentpunkt von 5,3 Prozent (2010) auf 4,4 Prozent gesunken. Besonders problematisch sei die Lage bei börsennotierten Unternehmen: Eine Untersuchung von Mitte 2011 zeigt deutlich, dass nur zwei weibliche Vorstände in börsennotierten Gesellschaften vertreten sind. "Das entspricht einer Frauenquote von 0,9 Prozent", kritisiert die FSG-Frauenvorsitzende.

Mehr Vielfalt herrsche derzeit lediglich in jenen Ländern, in denen eine Frauenquote bereits gesetzlich verankert ist - zum Beispiel in Norwegen, Spanien, Frankreich und in den Niederlanden. "Freiwillige Verhaltensregeln und reine Selbstverpflichtung der Unternehmen reichen daher nicht aus, um der Vielfalt in der Beschäftigungsstruktur Rechnung zu tragen", so Vondrasek abschließend.