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Gesucht: KindergartenpädagogInnen

NeueinsteigerInnen verzichten auf den Job. Warum?

Teddybär, Symbolbild: scazon, flickr.com

Ihr Job ist beinhart, ihr Einkommen mäßig, und die Arbeit der Eltern sollen sie auch noch mitmachen. An der Personalknappheit leiden KindergartenpädagogInnen und ihre PersonalvertreterInnen seit Jahren. Dass neue KollegInnen künftig FHs absolvieren werden, bringt nicht mehr von ihnen in die Kindergartengruppen. Und die angemessene Wertschätzung finden die KollegInnen ohnedies nicht, weil sich kaum jemand Gedanken macht, was sie für die Gesellschaft von heute leisten.

Noch vor dem ersten Kindergartentag verzichtet
"Neue" KollegInnen (SchulabgängerInnen) aus den Ausbildungsstätten für KindergartenpädagogInnen (BAKIPs) sind jedes Jahr die große Hoffnung, dass die Personalnot im September ein bisschen kleiner wird. Mitnichten! Jedes Jahr werden wir wieder eines Besseren belehrt. Per Juli haben sich von allen BAKIPs insgesamt 150 junge Frauen und Männer bei der MA 10 angemeldet. Und 30 von ihnen haben gleich wieder verzichtet.

Die Aufgabe muss attraktiver werden
Es hat gute Gründe, dass für viele junge Frauen und Männer der eigentlich schöne Beruf wenig anziehend ist: Die Bezahlung ist eher mittelmäßig (auch wenn das Einstiegsgehalt 2010 angehoben wurde). Die KollegInnen sehen längst kein Licht mehr am Horizont. Im Gegenteil, die Ressourcen werden immer knapper, während der Platzbedarf wegen des neu eingeführten verpflichtenden Kindergartenjahres zunimmt. Und weil sie in den Augen mancher nur zum Spielen mit den Kindern das sind, hapert es an der "Wertschätzung" des Berufes Kindergartenpädagogin in der Gesellschaft. Trotz beachtlicher Öffentlichkeitsarbeit mit Inseraten, Kampagnen und Bergen von Gedrucktem wird die hochwertige pädagogische Arbeit der Kolleginnen zu wenig wertgeschätzt.

 

Eltern entledigen sich der Erziehungsarbeit
Die Institution Kindergarten soll all das im Handumdrehen reparieren, ausgleichen und ersetzen, was zuhause nicht mehr geboten wird. Das fängt bei einfachen Dingen des täglichen Lebens an wie z. B: grüßen, selbständig essen können. Tatsächlich ist es bei dieser Personalknappheit und der Anzahl der Kinder in den Gruppen oft gar nicht möglich, jedes einzelne Kind zu fördern. Eine schlimme Situation in der Stadt des Julius Tandler ("Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern nieder.")

 

Ausbildungsjahrgänge werden ausfallen
Ich befürchte, dass auch die neue Ausbildung, die ja (wie im Regierungsprogramm vereinbart) an die Fachhochschulen kommen soll, ebenfalls keine wesentliche personelle Verbesserung bringen wird.
Zwar wird der Beruf als solcher aufgewertet, aber mehr Personal lässt sich angesichts der sonstigen Rahmenbedingungen wohl damit nicht locken. Bleiben die Rahmenbedingungen dieselben, werden sich auch MaturantInnen, welche erst mit 18 oder 19 Jahren zukünftig in die FH einsteigen werden, nicht dafür entscheiden, KindergartenpädagogIn zu werden.

 

Was die Gewerkschaft fordert

  • Verbesserung der Rahmenbedingungen (z. B. Gehaltsansatz noch attraktiver gestalten),
  • Wertschätzung durch die übergeordneten Stellen einbringen,
  • keine neuen Aufgaben ohne zusätzliche Ressourcen aufbürden,
  • gesellschaftliche Wertschätzung der Bildungsarbeit mit
  • Kindern generell in der Bevölkerung erreichen.

 Ursula Brandner, ursula.brandner@wien.gv.at