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Pflegelehre – (k)eine Möglichkeit?!

Die neue Regierung hat viele Neuerungen im Bereich der Pflege geplant, unter anderem eine Pflegelehre, um den massiven Mangel an Pflegekräften auszugleichen. Das würde nicht nur Jugendliche der HG 1, sondern vor allem auch in der Hauptgruppe 2 betreffen.

Pflege überfordert Jugendliche im Lehrlingsalter – sie bringt selbst Erwachsene an ihre körperlichen, psychischen und emotionalen Grenzen ©shutterstock

Was bedeutet die Einführung einer Pflegelehre für die zukünftigen Lehrlinge? Ein Lehrberuf wird in den meisten Fällen im Alter von 15, 16 Jahren begonnen, im Rahmen der Lehre sind ein paar Tage in der Woche für die Berufsschule vorgesehen, den Rest der Woche arbeitet man in der Dienststelle. Da es im Pflegebereich wichtig ist, zuerst einmal das ganze theoretische Wissen zu erlernen, bevor man an echten Menschen herumexperimentiert, kann das klassische System einer Lehre nicht angewendet werden.

Alternative Ausbildungswege

Die Pflege alter oder kranker Menschen bedeutet neben schwerer körperlicher Arbeit auch eine starke psychische Belastung. Professionelle Pflege von meist schon über Jahre hilfsbedürftigen Menschen ist ein sehr sensibler, aber auch ein sehr emotionaler Arbeitsbereich, mit dem Erwachsene schon schwer fertig werden. Die Burn-out-Rate ist im Pflegeberuf besonders hoch. Darum ist es mehr als fraglich, ob Jugendliche mit den oft schweren Schicksalen umgehen können, mit welchen sie gezwungener Maßen bei der Pflegelehre konfrontiert werden. Die Gefahr, dass sie die Lehre aus emotionaler Überforderung wieder abbrechen und von dem so notwendigen Beruf eher abgeschreckt werden, ist groß.

Hochsensible Anforderungen

Bei den oft genannten „Pflegelehre-Vorbildern“, der Schweiz und Vorarlberg, zeigt sich, dass nur ein sehr geringer Anteil der Lehrlinge im Endeffekt in der Pflege arbeitet. Darum sprechen wir uns klar und nachdrücklich gegen eine Pflegelehre aus. Die Kombination aus Berufshochschule/Berufsmittelschule, inklusive der Berufsberechtigung, und Beibehaltung der gängigen Berufsausbildung begrüßen wir jedoch sehr. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die bestehenden Ausbildungsmöglichkeiten für junge Erwachsene verbessert und ausgebaut, vor allem aber attraktiver gemacht werden. Wir wollen nicht, dass unüberlegte Mogelpackungen als großartige Problemlösung verkauft werden. Denn der Pflegeberuf wird immer wichtiger und anspruchsvoller.

melanie.orou(at)wien.gv.at