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Querraunzer

Beamtenhalali, weil sie keine Menschen sind

Querraunzer c) Alex Kautz

Dumm, faul, kompliziert und rückständig – so seien sie, die österreichischen Beamten. Und davon gäbe es viel zu viele, im „Biotop Österreich“. Und deshalb müssten sie reduziert werden, poltert Oberjäger Michael Spindelegger in den letzten Wochen. Sein Slogan: „Sparen – nicht bei den Menschen, sondern bei der Verwaltung!“

 

Total logisch: Denn der Mann von der Müllabfuhr ist ja kein Mensch, die Kindergartenpädagogin von nebenan auch nicht. Kein Mensch ist demnach auch die Referentin im Sozialministerium? Bei den BundesbeamtInnen will die ÖVP einen Aufnahmestopp durchsetzen und das bestehende Personal abbauen. Bis 2015 sollen 3.000 Planstellen eingespart werden. Als Erstes werden die Befristeten gegangen. Und Karenzvertretungen? Gibt es dann halt nicht mehr, dank des Herrn Vizekanzlers. Was das frauenpolitisch bedeutet, ist der ÖVP offenbar blunzn. Die neueste Erfindung der selbsternannten „Beamtenpartei“ ist eine Strafsteuer für pragmatisierte Beamte. Da sollen nun Menschen persönlich für ein veraltetes Dienstrecht bestraft werden, dessen Reform die Regierung seit Jahren vor sich herschiebt. Da frag ich mich schon: Geht’s noch?


Vom geplanten Aufnahmestopp ist auch das österreichische Parlament betroffen. Parlamentspräsidentin Barbara Prammer: „Ich kann doch nicht für eine Juristen-Stelle einen Tischler nehmen.“ Vielleicht ist es ja eine Strategie der ÖVP, dass in Zukunft die Gesetze von den „Ständen“ geschrieben werden.
Das hatten wir ja schon mal. Spindis Rasenmäher-Methode kann bei näherer Betrachtung nicht die Lösung sein – auch dann nicht, wenn Bildung, Justiz und Polizei ausgenommen werden. Differenziertes Denken – ich vermisse es. Wie soll denn im Spitals- und Pflegebereich beim Personal gespart werden? Wie soll denn das bitte gehen, wo wir doch immer älter und leider auch kränker werden? „Es tut uns leid, derzeit haben wir niemanden, der Sie operieren kann. Aufnahmestopp, wissen’S eh!“ Das wünsche ich im Notfall niemandem.

 

(Wendelin)