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Querraunzer

Hinschauen statt wegschauen

Querraunzer Wendelin, c) Alex Kautz

Bitte mach die Augen zu und denk an „Korruption“! Welches Bild siehst du in Gedanken? Bei mir war es jahrelang das Bild eines Mafioso. Er steht in einer dunklen Tiefgarage, wartet dort auf seinen „Kontakt“: schwarzer Mantel, aufgestellter Kragen, großer Hut. Sein Gesicht: nicht erkennbar. Im Mundwinkel hängt eine qualmende Zigarette. Die linke Hand tief in der Manteltasche, in der rechten ein Geldkoffer.


Heute schaut mein Korruptionsbild anders aus: Vor mir sehe ich den grinsenden Wolfgang Schüssel, wie er in Jörg Haiders schwarzem Porsche-Cabrio sitzt. Schüssel war von 2000 bis 2007 Regierungschef in einer Koalition mit der FPÖ bzw. mit dem BZÖ. Und als solcher hätte er die Aufgabe gehabt zu kontrollieren, was die eigenen Leut’ so treiben. Hat er aber nicht. Er hat zu wenig hin- und zu sehr weggeschaut. Unter seinen Fittichen wurde die Republik zum Selbstbedienungsladen – für einige Wenige. Darunter fünf Minister aus Schüssels „Superteam“: Ernst Strasser, Karl-Heinz Grasser, Hubert Gorbach und Mathias Reichhold sowie Herbert Scheibner. Gegen sie ermittelt jetzt die Justiz: Korruption, Amtsmissbrauch und seltsame Geldflüsse; Buwog, Telekom, Tetron. Falschheit und maßlose Gier – einfach nur grauslich! Am 5. September 2011 ist Wolfgang Schüssel von allen politischen Funktionen zurückgetreten. Zuvor hat er stets beteuert, von den dubiosen Machenschaften seiner Minister nichts gewusst zu haben.

 

Mein lieber Wolfgang Schüssel, wer soll denn das glauben? Ich tu’s nicht, und 81 Prozent der ÖsterreicherInnen tun das auch nicht. Er hinterlässt ein Trümmerfeld. Drei Viertel (!) der ÖsterreicherInnen ab 16 wollen von Politik nichts mehr wissen, so eine IMAS-Umfrage. Auch der Rechtsstaat ist erschüttert: Nur noch 40 Prozent der ÖsterreicherInnen vertrauen der Justiz. Erschreckende Zahlen! Die Ursache: der Eindruck, dass sich’s die Mächtigen sowieso richten. Und, dass man – als kleine Frau, kleiner Mann von der Straße – eh nix ändern kann. Das ist falsch! Wir fordern: Kontrolle, Transparenz und Rechenschaft. Denn wir sind es, die euch PolitikerInnen wählen – oder auch nicht.

 

Wendelin