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Verpackung oder Inhalt!

Frauen in der Öffentlichkeit haben es schwer. Sie müssen sich wesentlich mehr anstrengen und werden überwiegend nach ihrem Äußeren beurteilt.

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Noch immer ringen wir um Chancengleichheit und Gleichberechtigung – und kurz angemerkt: Unsere mühsam errungenen Frauenrechtwerden wieder in Frage gestellt. Aber damit nicht genug: Nach wie vor werden Frauen vor allem auf ihr Aussehen reduziert. Nicht nur von Männern, sondern (oft) auch von Frauen. Die Medien tun das ihre dazu – und leider springen wir nur zu gerne auf diesen Zug auf.

 

Bei Männern, die etwas zu sagen haben, denen ein seriöses Auftreten attestiert wird, bespricht niemand den Anzug, die Krawatte, die Brille oder die Frisur. Bei Frauen ist das leider ganz anders: Sie werden primär nach dem Aussehen beurteilt, und nicht nach dem Gesagten. Egal, was Frauen Kluges sagen, meist wird (auch) der Auftritt kommentiert: Entweder passt die Frisur nicht, ist das Make-up nicht das richtige, passen die Schuhe nicht zum Kleid, sind die Falten auf der Stirn zu tief oder hängen die Mundwinkel zu sehr herab.

 

Klischees überwinden

 

Frauen mussten sich lange Zeit über ihr Aussehen definieren. Denn solange ihnen ein eigener Berufsweg verwehrt war, blieb als einzige gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit die Eheschließung, um das Elternhaus zu verlassen. Aber diese Zeiten sind, zumindest in der westlichen Welt, Gott sei Dank vorbei. Das Klischee hält sich aber hartnäckig, dass eine Frau vor allem schön zu sein hat. Selbst die Ansicht, Frauen, die Karriere machen, seien Rabenmütter, ist noch nicht gänzlich überwunden. Obwohl kein Mann je danach gefragt wurde, ob er seinen Job mit zwei Kindern schafft.

 

Frauen in Führungspositionen werden schneller in Frage gestellt, besonders wenn sie in der Öffentlichkeit stehen. Machtverlust können viele Männer scheinbar nur mit offenen Angriffen auf der persönlichen Ebene kompensieren – anstatt die Augenhöhe auf sachlicher Ebene zu akzeptieren.

 

Augenhöhe statt unter der Gürtellinie

 

Darum müssen sich Frauen um ein Vielfaches mehr anstrengen, um wahr- und ernst genommen zu werden, und immer mit der Bewertung ihrer Äußerlichkeit rechnen.

 

Brechen wir dieses Muster, das Jahrzehnte lang unter der Decke gehalten wurde, gemeinsam auf. Sehen wir hin, und vor allem, hören wir hin. Nicht auf die Verpackung kommt es an, sondern auf den Inhalt.

 

regina.mueller(at)wien.gv.at